Wenn Herzmenschen gehen und wir bleiben.Es gibt Menschen die leuchten von innen heraus. Als ich im vergangenen Jahr in Kroatien Udo Weisner vom JO IGELE REISEBLOG begegnete wusste ich sofort, er ist einer von den Guten.

Udo schlenderte am Tisch an dem Mia, Vreni und ich saßen vorbei, stellte sich vor, lächelte verschmitzt und schon saß er bei uns, berichtete von seinem best Ager Reiseblog und erzählte allerhand munteres Zeug vor sich hin.

Reiselust verbindet! Ich kann mich nicht mehr erinnern, worüber wir im einzelnen sprachen, was ich aber noch ganz genau weiß ist, wie Udos Augen leuchteten, als er begann von seiner Sonja, seiner Frau und liebsten Weggefährtin zu sprechen. Alles an ihm strahlte wenn er von ihr, den gemeinsamen Kindern und Enkeln, Abenteuertouren mit Freunden oder seiner Liebe zum Extremen und dem Sport sprach.

Udo war nicht nur Reiseliebhaber, bei Gesprächen mit ihm wurde schnell klar, er war Geschäftsmann wie Unternehmer durch und durch, ob es die eigene Firma, den Blog oder auch die Gedanken an die Zukunft betraf: Was er anpackte basierte auf Wissensdurst, Mut und Leidenschaft für Menschen und das Erleben.

Wir haben uns bei unserem nächsten Wiedersehen in Lappland, vor einem Monat viel darüber unterhalten, wie sich das Alter wohl am schönsten Gestalten ließe. Und obwohl sich Herr Igel selbst des Öfteren ermahnte nicht zu waghalsig mit sich und seinem angeschlagenen Herzen umzugehen, konnte er trotzdem der Rallye on Ice genau so wenig widerstehen, wie den süßen Nachtischen, auch wenn Sonja das definitiv nicht gut geheißen hätte.

Liebe Bedeutet aufeinander aufzupassen, sich zu achten und dem anderen mit Respekt und Achtung, sowie einem tiefen Gefühl des Vertrauens und der Zuneigung zu begegnen. Als ich Frau Igel in Ägypten kennenlernte und mit ihr, Mia und Dani die Schönheiten des Kreuzfahrtentums genoss, wusste ich, warum Udo stets von ihr schwärmte. Sonja hatte mehr als nur gute Worte für ihren Udo im Gepäck, sie sendete fleißig Fotis für den Instagram Channel und den Blog, schrieb liebe Grüße von uns Jungvolk und schloss uns am Ende so liebevoll in die Arme und ihr Herz, dass wir es kaum erwarten konnten, ihrer Einladung in Richtung Bodensee im folgenden Jahr nachzukommen und Familie Igel im Süden zu besuchen…

Man könnte meinen dafür sei es jetzt zu spät. Aber nur weil ein Mensch stirbt, löst sich nicht alles was mit ihm zu tun hat in Luft auf. Ich habe das Glück mit meinen 31 Jahren erst einmal dem Tod begegnet zu sein. Im letzten Jahr, als meine Uroma starb, veränderte sich meine Welt dadurch nicht grundlegend, aber doch so sehr, dass ich mir vieles bewusster wurde. Uroma Eva hatte ein langes und aufregendes Leben hinter sich, bei Udo hingegen denke ich, weitere 20 Jahre hätte der alte Haudegen ruhig noch haben können.

Aber so ist das mit dem Tod, den können wir uns nicht aussuchen, damit ist es ganz einfach. Wenn das Herz aufhört zu schlagen, ist die hiesige Reise zu Ende so schmerzlich und traurig das für alle kleinen und großen Gefährten auch sein mag.

Das Zurückbleiben ist das schwierige, das zulassen und erinnern das wichtige. Tobi und ich haben auf dem Flughafen in Sydney beim Umsteigen Richtung Auckland von Udos Tod erfahren. Sobald das W-LAN ging und wir Grüße Richtung Heimat senden wollten, ploppten alle nur erdenklichen Nachrichtenfenster auf. Mia und Dani hatten geschrieben. Ich war dankbar es von ihnen zu erfahren und nicht in der Facebook Timeline zu lesen und trotzdem saß ich da, nach 13 Stunden Flug von Abu Dabi meine Reisezahnbürste in der Hand und mir kullerten auf einmal die heißen Tränen über die Wangen. Das ging einfach nicht, ich war so gelähmt und traurig, hatte ein schlechtes Gewissen dass ich dabei war in der Welt herum zufliegen, während Sonja und ihre Familie gerade zu Hause mit diesem Schicksalsschlag fertig werden müssen. Ich wusste ich würde nicht die richtigen Worte finden um ihren Schmerz zu lindern, oder meine Gefühle beschreiben zu können, aber ich versuchte es dennoch…

…Mir war leider nur eine sehr kurze, dafür aber eine äußerst lustige Zeit mit dem Igelchen, wie ich ihn liebevoll nannte vergönnt. Udo brachte mir bei was ein Selfie Stick ist, ich gab ihm dafür Tipps, wie er seine Instagram Pics aufpeppeln könne, er plapperte fröhlich von seinen Abeuteuern in aller Herren Länder und ich entfusselte sein Jackett fürs abendliche Festbanket. Was Modeblogger eben alles so mitschleppen ne.

Wenn ich eines von Udo gelernt habe, dann ist es das Leben so zu nehmen wie es ist, mit allen seinen Höhen und Tiefen, Ungerechtigkeiten und blöden Allüren. Es geht eben darum trotzdem etwas aus all dem zu machen, die Menschen zu schätzen die man liebt, sie groß zu ziehen zu unterstützen und ihnen bei zu stehen, die knappe Zeit dem zu widmen wofür das Herz schlägt und die eigenen großen und kleinen Träume zu leben. Nicht irgendwann später, sondern sobald es eben geht. Und so fahren Tobi und ich gerade durch die Neuseeländischen Hügel und fühlen uns ganz wie in Mittelerde. Für mich hat sich damit ein lang gehegter Traum erfüllt und dafür bin ich unendlich dankbar.

Wenn Herzmenschen gehen und wir bleiben.

Und während die Hügel, Seen und verwunschenen Berge und Wälder an uns vorbei gleiten, reden wir über Gott und die Welt und so manches mal eben auch von Udo. Ich war so neidisch auf sein cooles Selfie mit dem Rentier und mir ist fast die Spucke weg geblieben, als er von seiner unvergesslichen Fahrradtour durch Marokko berichtete, bei der ihm die Menschen vom Straßenrand aus zujubelten.

Erst später sei dem den Massen zuwinkendem Igelchen aufgegangen, dass der kleinen deutschen Bikertruppe der Applaus wohl nur bedingt galt, denn hinter ihnen kam die königliche Familie mitsamt einem Festumzug her gefahren.

Diese und viele andere kleine Geschichten und Anekdoten tragen wir in unseren Herzen bei uns und egal wo wir sind, ich bilde mir ein, so nehmen wir Udo einfach mit auf eine weitere kleine Reise.