Waldbaden – Was ist das? Wie funktioniert das? Kann ich das auch? Was brauche ich dafür? Und vor allen Dingen, was bringt mir das? Diese Fragen und noch viele mehr habe ich meinem Freund und ausgebildetem Waldtherapieführer Martin Kiem aus Südtirol live auf Instagram gestellt! Seine Antworten & einige interessante Fakten rund um die Themen Waldbaden und Waldgesundheit findest du hier, in diesem Beitrag.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolMartin Kiem ist viel mehr als ein einfacher Waldläufer, wie wir sie aus dem Auenland kennen. Er ist studierter Arbeits- und Organisationspsychologe, mit einer Leidenschaft fürs Grüne, Langsame und Gesunde. Seit über 10 Jahren begleiten und beschäftigen ihn Themen wie Meditation und Achtsamkeit. Und so verwundert es mich nicht, dass Martin – der mindestens so gerne die australische Sonne genießt wie ich, sich nach vielen Jahren des Reisens und Lernens, in seiner wunderschönen Heimat – Südtirol niedergelassen hat. Jetzt ist er Kopf, Herz und Mitbegründer des internationalen Wellness Unternehmens – Frontier Wellbeing, welches sich auf holistisches Wohlbefinden spezialisiert hat.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolMartin ist lustig, schlau und eine echte Quasselstrippe. Davon könnt ihr euch in Südtirol immer Donnerstags, in seinen Gruppenausflügen rund um Partschins selbst überzeugen! Doch bis es soweit ist, dass ich selbst mit ihm vor Ort, ins Grüne eintauchen kann, möchte ich unbedingt vorfühlen und ja – auch ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Ein Jahr ist meine erste Südtirol Reise jetzt her und ich werde ganz wehmütig, wenn ich nur daran denke. Tobi und mir hat es so gut vor Ort gefallen, die weite Natur mit ihren Höhen und Tälern, die klare Luft, die rauschenden Flüsse und Wälder, die Gastfreundlichkeit und das gute Essen. Wehmütig denke ich daran zurück und freue mich schon jetzt, auf meine baldige Wiederkehr. Vereint sich in Südtirol doch #alleswaswirlieben in genüsslichster Leichtigkeit und Lebensfreude! Hmm…

…Wie heißt es doch – Vorfreude ist die schönste Freude! Das hat mir auch Martin in unserem Interview bestätigt! Die Glückshormone, die mein Körper allein bei den Gedanken an das mediterrane Klima und die auf mich wartenden Wanderwege ausschüttet, vertreiben mir an so manchem herrlich grauen Tag in Berlin die Laune!

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolDeshalb konzentriere ich mich aktuell darauf, was mir guttut. Und da ich immer lächeln muss, wenn ich an unsere 3 Südtirol Abenteuer, voll von Natur und spannenden Erlebnissen denke, nutzte ich das jetzt direkt aus und stürze mich in die Recherche rund um unsere nächste Reise! Dann wird nämlich im Wald gebadet. Doch wer weiß – vielleicht muss ich mit meinem erholsamen Eintauchen in die Natur gar nicht so lange warten! Denn Martin hat mir einige sehr tolle Tipps für den Alltag mit an die Hand gegeben, die ich natürlich mit dir teile!

Waldbaden - Martin Kiem Südtirol

Was ist Waldbaden?

Folge ich Martins ausführlicher Beschreibung, ist Waldbaden nicht etwa die Teilnahme an einer Schwimmveranstaltung in einem Waldsee, sondern das langsame und achtsame Eintauchen in die Natur. Und das mit allem was uns zur Verfügung steht. Wir können den Wald ganz unterschiedlich erfahren, indem wir seine Düfte in unseren Nasen ankommen lassen, versuchen uns die vielfältigen Grüntöne einzuprägen, ab und an ein sprießendes Maigrün knabbern oder auch darauf horchen, welche Geräusche hier beheimatet sind. Weißt du noch, wie sich der Wind, die Sonne oder auch Schatten auf deiner Haut anfühlen? Was passiert, wenn du eine Brennnessel steifst? Der Wald bietet unseren Sinne Erholung und Erlebnisraum zugleich!

Und ja – genau das macht den gesundheitsfördernden Aspekt des Waldbadens aus!

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolDenn beim Waldbaden eifern wir nicht mit anderen um die Wette, oder sind in Eile. Wir erlauben uns Langsamkeit zu erleben, wir zelebrieren sie förmlich. Deshalb unterscheidet sich ein Spaziergang, mit dem Fokus auf die Thematik des Walderlebens, grundlegend von einer Wanderung. Beim Waldbaden sind wir viel langsamer und ruhiger. Im wahrsten Sinne der Worte, ist hierbei der Weg das Ziel. Und jenes besteht darin durch den Aufenthalt in der Natur, durch die Hingabe an den Moment, innerlich mit uns selbst in Verbindung zu treten.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolDas Waldbaden als bewusste Erlebensform ist 1980 in Japan entstanden und wird „Shinrin Yoku“ genannt. Es umfasst viel mehr als den reinen Aufenthalt in der Natur, ist es doch zu einem ganzheitlichen Konzept der Gesundheitsförderung geworden, welches das Ziel hat, wieder zurück zur eigenen inneren und äußeren Balance zu finden.

Waldbaden - Martin Kiem Südtirol

Wie funktioniert Waldbaden?

Waldbaden kann auf sehr unterschiedliche Arten und Weisen gelebt und mit Leben gefüllt werden. Wir können an geführte Spaziergänge mit Experten wie Martin Kiem teilnehmen, oder ganze Seminare dazu besuchen. So erfahren wir spezielle Übungen und Erlebnisformen, die uns beim Finden unseres inneren Gleichgewichtes unterstützen. Doch das ist kein MUSS. Jeder von uns kann Waldbaden! Du, ich, wir! Allein und gemeinsam! Alles was wir dafür brauchen sind offene Herzen und ein Grundverständnis dessen, was wir erreichen wollen – das langsame Ankommen und achtsame Runterkommen im Wald.

Denn Waldbaden gehen wir zur Förderung der eigenen Gesundheit. Wie das funktioniert? Ganz einfach: Das grundlegende Ziel ist es, sich in und mit Hilfe der Natur zu entspannen. Das ermöglicht es uns, uns von temporären und auch täglichen Stressoren zu lösen, die Dinge, die wir in unserem Leben treiben mit Abstand zu betrachten und so manche Schieflage wieder neu auszuloten. Denn wenn wir es schaffen, durch die Wahrnehmung der uns umgebenden Natur wieder mit uns selbst in Verbindung zu treten, ist viel getan. Von diesen Erfahrungen und Erlebnissen können wir auch in unseren Alltagen zehren, uns daran erinnern. Vielleicht sogar kleine Übungen mit auf die Parkbank, in unsere Mittagspausen nehmen.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolEs gibt eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien, die nachweislich belegen, dass Waldbaden und die zugehörigen Aktivitäten das körperliche und geistige Wohlbefinden steigern. Wenn ihr mehr dazu erfahren und selbst einige Übungen ausprobieren wollt, empfehle ich euch unbedingt Martins Buch „Wald tut gut“ in die Hände zu nehmen und darin zu stöbern. Es finden sich sehr viele spannende und aufschlussreiche Fakten rund um den Wald und zahlreiche Ideen und Anleitungen, wie wir Stress abbauen und unsere Gesundheit mittels der uns umgebenden Natur stärken können.

Aber – bevor ihr gleich bestellt – hier das Allerwichtigste: Alles was wir zum Waldbaden brauchen – tragen wir in uns. Der erste Schritt, hinaus in die Natur, ist der schwerste. Danach darf das Erlebnis direkt beginnen.

Erwecke zum Beispiel deine Sinne, indem du dich auf jeden einzelnen von ihnen gezielt konzentrierst. Martin hat mir dafür eine tolle Übung empfohlen, die ich hier unbedingt mit dir teilen möchte:

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolFinde dein ruhiges Plätzchen im Grünen. Das kann auf einer Parkbank in der Mittagspause, genauso wie auf deinem heimischen Balkon, oder eben im Wald und auf weiter Flur sein. Wichtig ist, nimm dir Zeit, komm zur Ruhe. Halte inne und beginne deine Sinnesreise wie folgt: Konzentriere dich nacheinander auf deine Wahrnehmungsebenen. Nimm folgendes wahr:

5 Dinge die ich in diesem Moment sehen kann
4 Dinge die ich in diesem Moment hören kann
3 Dinge die ich in diesem Moment riechen kann
2 Dinge die ich in diesem Moment fühlen kann
1 Sache, die ich in diesem Moment schmecken kann

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolAtme tief durch, spüre nach. Höre in dich hinein und nimm wahr, wie dich dieser kleine Ausflug in die Natur zu dir selbst gebracht hat. Denn weißt du, wir können noch so viel über die Welt nachdenken, letztendlich bleiben wir dabei immer in unseren Gedanken stecken, hängen fest und produzieren damit allerfeinsten, hausgemachten Stress. Oder wir können die Welt wahrnehmen. Und für diese Wahrnehmung stehen uns die unterschiedlichsten Optionen und Sinne zur Verfügung. Wir können in Kontakt mit uns treten indem wir in Bewegung, in Aktion kommen. Dann spüren wir zum Beispiel beim Laufen unseren Herzschlag und die Kraft unserer Beine. Oder wir machen Yoga und müssen uns bei der Ausführung der einzelnen Asanas so sehr auf die Ausrichtung fokussieren, das links und rechts kein Raum für Kopfkino ist… Du verstehst was ich meine. Das Waldbaden kann ein tolles weiteres Tool in deinem Werkzeugkasten sein, dass dir hilft wieder bei dir selbst anzukommen.

Und das WIEDER ist an dieser Stelle besonders wichtig. Denn Martin betont, dass das Waldbaden nichts ist, was wir neu erlernen müssen. Es ist keine Fertigkeit, die uns hartes Training abverlangt, sondern eine Form des Erlebens von Mikromomenten der Interaktion zwischen uns und der Natur, die uns schon von Kindesalter an geschenkt ist. Wir haben schlicht weg vergessen, dass uns diese Form der Achtsamkeit eigen ist und guttut.

Waldbaden - Martin Kiem Südtirol

Komm bei dir selber an.

Also gehen wir raus in die Natur und nutzen wir die Bibliotheken unserer Gedächtnisse! Frischen wir sie wieder auf mit dem Duft von Gräsern, dem Kitzeln von Gras unter unseren Fußsohlen, dem Zwitschern von Vögeln, die in den Bäumen ihr Zuhause finden, dem satten Baumgrün vor unseren Augen und dem Geschmack von Löwenzahnstängeln, die wir beim Betrachten kauen.

Jeder Form von Naturinteraktion ist für uns Menschen wichtig und hilfreich uns einzulassen und zu erinnern. Trau dich bei deinem nächsten Ausflug dir bewusste kleine Zeiteinheiten für dieses Ankommen und das Wecken deiner Sinne zu nehmen. Treten wir ein, in die direkte Kommunikation zwischen Wald und Natur. Nehmen wir uns als Teil all dessen wahr. Und kommen wir so in eine sich neu anfühlende Beziehung zur Natur und zu uns selbst.

Waldbaden - Martin Kiem Südtirol

Woher kommt diese Sehnsucht nach der Natur?

Falls euch das jetzt etwas abgehoben vorkommt, lasst mich euch an meinem Beispiel erklären, was es mit diesem Eintauchen in die Natur und in uns selbst auf sich hat. Vor genau einem Jahr, haben wir uns auf unseren Reisen nach Südtirol Zeit genommen tatsächlich auszuspannen und die Natur auf ganz unterschiedliche Arten zu erfahren. Wir sind in Stille gewandert, haben Kräuter gesammelt, gekneippt, waren abseilen und haben Landschaften gemalt, anstatt sie zu fotografieren.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolMehr denn je bin ich mit den Gedanken rund um die Wörter Slow Travel in Berührung gekommen, hab Natur nicht nur im Vorbeigehen von außen bewundert oder als Kulisse genutzt, sondern hab sie Stück für Stück wahrgenommen und erlebt. Und diese Erfahrungen haben solch tiefen Eindruck in mir hinterlassen, dass ich nicht nur meine Ausbildung zur Yoga Lehrerin im Anschluss angegangen bin, sondern mich auch noch weiterführend mit der Kraft der Natur beschäftigen wollte. Ich fand es toll mehr über Pflanzen und all die Potentiale zu lernen, die in ihnen stecken. Ohne diesen kleinen Anstoß aus Südtirol hätte ich niemals meine Leidenschaft für die Aromatherapie entdeckt. Denn wieder in unserem Alltag in Berlin, habe ich nicht die Möglichkeit regelmäßig eine Auszeit im Grünen zu finden. Aber ich nutzte meinen Geruchssinn und erinnere mich mit Hilfe von mir wohltuenden Düften an ganz besondere Momente. Öle von Nadelhölzern unter den Fußsohlen oder auf der Brust aufgetragen helfen mir auch in stressigen und schweren Zeiten ruhiger, mehr bei mir zu sein und mir die Pausen zu schenken, die ich zum Regenerieren brauche. Wenn ich Zerbe rieche, bin ich in Südtirol!

Und ja – unsere Begegnungen und Erfahrungen in Südtirol waren mit ausschlaggebend dafür, dass ich mein Leben verändert habe. Diese Kraft haben Reisen, Begegnungen und ganz besonders auch die Momente, in denen wir uns selbst Gehör und die nötige Aufmerksamkeit schenken. Und wo finden wir diese Auszeiten, diesen Raum des Hineinhörens – richtig – draußen in der Natur!

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolAktuell sehne ich mich riesig nach dem „Rauskommen aus der Stadt“. Am liebsten würde ich mit Tobi durch die Wälder streifen, unser Zelt aufbauen und nachts den Geräuschen des Waldes lauschen. Doch woher kommt dieses Naturweh? Ganz einfach – von uns selbst, von innen. Denn um so mehr wir uns von der Natur entfernen, um so sehnsüchtiger werden wir. Je technisierter, digitalisierter, virtueller unser Alltag ist, desto mehr wird die Natur zum Gegenpol! Und doch bemerken wir die Schönheit und die kleinen Oasen, die uns auch im Hier und Jetzt umgeben oftmals nicht. Bäume, die vor unserer Haustür blühen, Zimmerpflanzen, die sich zur Sonne neigen, warme Sonnenstrahlen, die unsere Haut wärmen. Wir hetzen getrieben von unseren To Dos und Erledigungen durch unser eigenes Leben und vergessen dabei so manches Mal inne zu halten und zu fühlen. Wir denken, tagein, tagaus. Aber wir vergessen wahrzunehmen und nehmen an, dass es nur noch Stress ist, was wir fühlen.

Waldbaden - Martin Kiem SüdtirolDas muss nicht so sein. Beginnen wir direkt hier und jetzt in uns hinein zu fühlen… Lass uns auch dazu gemeinsam unsere Aufmerksamkeit für uns selbst schulen:

Merke wie deine Brust sich hebt und senkt, wenn dein Atem ein und ausströmt.
Nimm wahr, welche Geräusche dich umgeben.
Spüre, wo es sich in dir gerade eng und starr anfühlt.
Nimm wahr, was geschieht, wenn du deinen Atem vertiefst und genau in diesen Bereich deines Körpers sendest.
Sei Teil dieser kleinen, so wichtigen Veränderung und komm bei dir an. Komm zu Ruhe…

Natürlich ist die freie Natur schon lange nicht mehr unsere natürliche Heimat, oder das, was wir als solche ansehen. Aber sie ist das was wir brauchen, um mit uns selbst in Verbindung zu treten. Sie ist das was uns nährt. Unseren Körper, den Geist aber ganz besonders auch unsere Seele. Die Natur ist, was wir schützten und ehren sollten und erfahren dürfen! Sie schenkt uns Kraft und Mut und ist unverzichtbar für unsere psychische Gesundheit!

Deshalb hier ein letzter kleiner Tipp von mir für dich. Lass bei deinem nächsten Spaziergang dein Handy in deiner Tasche, oder schalte es aus. Und folge nicht etwa einem äußeren Zeitplan bei deiner Erfahrung in Sachen Waldbaden, sondern deinem ganz eigenen, natürlichen Rhythmus. Lerne von dir, bei dir zu sein. Nutzte alles was dich umgibt, um deine innere Balance zu finden und denke an etwas, was dir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Genieße den Moment, die Vorfreude, das Sein und tauche tief ein.

Ich wünsche dir dabei alles Gute und viel Freude – Deine Friederike

Waldbaden - Martin Kiem Südtirol