TED MUEHLING + NYMPHENBURG

Von Schildkröten und Porzellankunst: TED MUEHLING + NYMPHENBURGSchon mal etwas von NYMPHENBURG, der Porzellanmanufaktur des bayerischen Königshauses, die seit 1747 besteht, gehört? Oder von TED MUEHLING, dem amerikanischen Produktdesigner, der seit seinem 23. Lebensjahr Schmuck, Teeservices und andere künstlerische Objekte kreiert? Falls nicht, dann ist das schade, aber durchaus kein Grund den Kopf hängen zu lassen, denn was nicht ist, kann ja noch werden! Zugegeben, „Porzellanmanufaktur des bayerischen Königshauses“ könnte man ja auch in den falschen Hals bekommen und sich darunter angestaubtestes Design biedermeierlicher Spießbürgerlichkeit vorstellen.

Aber weit gefehlt, denn das Unternehmen schreibt die Zusammenarbeit mit Künstlern und Architekten ganz große und ermutigt diese dabei sogar bis an die Grenzen ihrer Experimentierfreude zu gehen. Immerhin hatte der studierte Industriedesigner MUEHLING zu Beginn der Kollaboration keine atemberaubende Erfahrung mit dem fragilen Material, das ganz eigene Anforderungen an den Künstler stellt. „Der damalige Geschäftsführer, Herr von Maltzahn, ermunterte mich, zu experimentieren, um die Grenzen und Möglichkeiten des Materials und der Prozesse zu verstehen. Ich habe es immer als vorteilhaft empfunden, direkt mit dem Material zu arbeiten. Ob Metall, Glas oder Ton – es treten im Arbeitsprozess immer glückliche Zufälle und unerwartete Dinge auf.“

Von Schildkröten und Porzellankunst: TED MUEHLING + NYMPHENBURG

Maschinelle Produktion ist sicher unter praktischen Gesichtspunkten eine schöne Sache, doch an dieser Stelle zeigt sich die Einzigartigkeit von traditionellen Handarbeitsmethoden (die sich im Übrigen seit Entstehung der Manufaktur auch nicht wesentlich verändert haben). Nicht umsonst genießt das kunsthandwerkliche Unternehmen bis heute hohes Ansehen, sodass es für MUEHLING nach eigener Aussage eine große Ehre ist vergangene Kooperationen nun fortzusetzen. Der diesmalige Streich nennt sich TORTOISE und der naturalistische Name ist Programm. Tatsächlich orientiert sich der Designer wie so oft an der formgebenden Schönheit der Natur und nimmt in seiner Kollektion vor allem die Besonderheiten der Panzer von Riesenschildkröten unter die Lupe.

„Durch Vereinfachung, Abstraktion und Erstellen von Formen in verschiedenen Materialien ist es manchmal möglich, beim Betrachter eine Stimmung zu suggerieren. Durch die Interpretation des Bekannten auf ungewohnte Weise oder über unerwartete Materialien kann man Bewusstsein erhöhen.“

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Und wie fühlt sich euer Bewusstsein so angesprochen in Anbetracht eines solchen Clashs von Natürlichkeit und Abstraktion? Ich persönlich finde die TORTOISE-Reihe ja ausgesprochen hübsch anzusehen. Durch ihre Farbe und ihre Einfachheit haftet ihr unbestreitbar eine gewisse Kühle und Eleganz an, gleichzeitig ergießt sich das Design nicht in völliger Symmetrie und hat dadurch ja doch etwas sehr Dynamisches. Obwohl ich mir beim Recherchieren der Preise nun gerade ein kleines Tränchen verdrücken musste (310 Euro für die Vase hmjaaa…), so gehe ich doch frohen Mutes aus diesem Artikel. Ich habe nämlich beim Schreiben ein neues Wort gelernt, es nennt sich „Bonbonniere“, ist viel schöner als „Bonbondose“ und ich werde mich von nun an bemühen es so oft zu gebrauchen wie möglich!

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