Kolumne Eitelkeit

Eitelkeit ist ja eigentlich so ein Mysterium, das man am liebsten ganz ganz weit von sich und dem eigenen Empfinden wegschieben möchte. „Eitel? MOI? Niemals!“ Eitel sein ist Uncoolness und mangelnde Lässigkeit par excellence und das möchte man ja nun nicht auf sich sitzen lassen. Es gibt da draußen irgendwo sicherlich diese Tussis mit ihren auf Perfektion getrimmten Gesamtkunstwerken, die sich Körper nennen, für die der nächste Regenschauer auch den nächsten Nervenzusammenbruch bedeutet. Aber das ist ja eine andere Welt, zu der man sich partout niemals zählen wird.

Dabei ist ein wenig Eitelkeit doch eigentlich das Salz in der Suppe (oder eines der unzähligen Salze), das erst Würze in unseren manchmal faden Alltag bringt, oder? Gerade wer sich ein wenig für Mode, Design etc. interessiert, kann ja nicht abstreiten sich für Hübsches zu interessieren und zwar manchmal tatsächlich einfach nur um der Hübschheit willen! Ich persönlich könnte Schreikrämpfe bekommen, wenn ich wie der größte Vollidiot ein Date auf den heißesten Tag des Jahres lege und dann mit meinen Schweißdrüsen einen tödlichen Krieg um Frisur und Gesichtsbemalung führen muss. Und Regen ist auch einfach scheiße, da muss man nichts schönreden. Wenn ich mit Schokolade verschmiertem Gesicht durch die Stadt watschel und es weder der Verkäufer bei DECATHLON, noch die Dame am Bahn-Schalter oder sonst irgendein Vertreter meiner Spezies für nötig hält mich über meinen apokalyptischen Anblick zu informieren, dann könnte man sich durchaus der puren Verzweiflung hingeben.

Könnte man. Und da kommt aber auch schon der Knackpunkt, denn Eitelkeit an sich ist doch überhaupt gar nicht das Problem. Doof wird es erst, wenn man sie zum ganz alleinigen Ziel überhaupt macht und das Nicht-Erreichen oder das fremdverschuldete Zerstören (Sonne, Regen, Schokolade) einen in tiefste Wahnzustände versetzt. Kurz 2 Minuten Selbstmitleid und Welthass, aber dann sollte das Leben doch in der Regel auch weitergehen, non? Ich jedenfalls habe mich zu Hause vor dem Spiegel erst einmal gehörig selbst ausgelacht, um dann allen meinen Freunden kecke Schkokoladen-Selfies zu schicken. Ich glaube sowohl für den Betreffenden als auch für seine Umwelt ist ein gelassener Umgang durchaus von Vorteil. Das ist jedenfalls ein Vorsatz, den ich nun versuche mit Löffeln zu fressen: Gerne alles dafür tun, dass die Verpackung stimmt,  wenn die Naturgewalten aber dazwischenkommen: Aufgeben. Und lächeln!

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