Veggie oder nicht Veggie? - Ein Einblick mit Franziska von VEGGIE LOVE

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Nachhaltigkeit wird heutzutage immer öfter groß geschrieben, denn dass vielen Menschen der Sinn nach Konsum mit Köpfchen steht, ist inzwischen angekommen. Dieses Bewusstsein scheint allerorts zu steigen, nicht nur auf Konsumentenseite, sondern auch die Unternehmen kommen allmählich auf den Trichter. Angebot und Nachfrage und so, man kennt das ja! Wer allerdings beginnt, sich Gedanken um etwas zu machen, stößt schnell auf Stolpersteine. Zu wirklich jedem erdenklichen Thema wurde schon jede erdenkliche Meinung gedacht und logischerweise ist es in einem solchen Dickicht von Positionen gar nicht so einfach, zu sagen, wer denn nun recht hat und was nun gut und was böse ist. Das gilt sowohl für die Lebensmittelindustrie, wie auch für die Kosmetikbranche und das Geschäft mit der Mode.

Warum schreit zum Beispiel bei Pelz jedermann empört auf, aber wenn es um Leder geht sucht man weit und breit vergebens nach gerümpften Nasen? Gibt es da tatsächlich gravierende Unterschiede, die den Konsum von Ersterem verwerflicher machen als von Letzterem? Keine leichten Fragen, daher habe ich mich einmal mit Franziska Schmid von VEGGIE LOVE unterhalten, die sich auf ihrem Blog genau damit auseinandersetzt und Tipps zum nachhaltigen veganen Konsum gibt!

Veggie oder nicht Veggie? - Ein Einblick mit Franziska von VEGGIE LOVE7_tage_gruen

Die Autorin von 7 TAGE GRÜN lebte schon vorher vegetarisch, seit 2008 dann vegan, beides spontane Entscheidungen, beides hat sie nie bereut. Ihr Motto:

„Für den Konsum von anderen sollte niemand leiden müssen oder Schaden nehmen – keine Tiere, keine Menschen und nicht die Umwelt.“

Diesen Anspruch dann auch auf das ganze Leben anzuwenden ist aber gar nicht so leicht. Wer sich für Vegetarismus oder Veganismus entscheidet, der sollte auf jeden Fall genauestens über seine Ernährung Bescheid wissen. Damit will ich mich übrigens nicht in die Reihe derer stellen, die beides als gesundheitsschädigenden Idealisten-Quatsch abtun wollen, weil man sich ohne Fleisch angeblich nicht ausgewogen ernähren könne. Unsinn, man muss nur wissen, wie man’s richtig macht.

Über den Wechsel vom Vegetarismus zum Veganismus sagt Franziska:

„Am Anfang war es ungewohnt, immer alle Zutatenlisten bei Lebensmitteln, Etiketten an Kleidungsstücken und Inhaltsstofflisten bei Kosmetik zu lesen. Aber ehrlich gesagt sollte jeder wissen, was er tagtäglich isst oder auf die Haut aufträgt. Ganz einfache Regel bei Lebensmitteln: Kannst du es nicht aussprechen, willst du es im Zweifel auch nicht essen – lieber frische und möglichst unverarbeitete Lebensmittel in den Einkaufskorb packen.“

Was den Lebensmittelkauf angeht, steht Berlin natürlich ganz an der Spitze der Städte, die ihre veganen Einwohner regelrecht verwöhnen. Ständig sprießen neue Restaurants und Supermärkte aus dem Boden, die sich auf ausschließlich pflanzliches Sortiment spezialisiert haben.

Andernorts zieht man nach, in Essen hat zum Beispiel gerade quasi direkt vor meiner Haustüre die VEGANISIERBAR eröffnet, die ich definitiv bald einmal austesten werde! Trotzdem ist es längst noch nicht überall gang und gäbe, dass einem ein Leben ohne tierische Produkte leicht gemacht wird. Da hat es der vegane Großstädter bis jetzt noch um einiges besser.

Wenn wir unsere aufmerksamen Augen und Ohren jetzt mal auf den Fashion-Bereich lenken, ploppt auch hier das ein oder andere Fragezeichen auf. Wie oben schon angedeutet, hat Pelz inzwischen eine ganz anrüchige Note bekommen: Pelz ist böse und wer ihn trägt ist ein dekadentes Arschloch (wobei es auch in der Mode immer mal wieder Phasen gibt, in denen Pelz auf einmal wieder große Popularität erntet und Promis, die sich im Jahr zuvor noch beherzt für den Artenschutz eingesetzt haben, freudestrahlend totes Tier um den Hals tragen).

Soweit so gut, es ist nicht besonders schwer es verwerflich zu finden, Lebewesen bei lebendigem Leibe das Fell vom Leibe zu ziehen, aaaaaaber was ist denn nun mit der Leder-Kiste? Abfall-Produkt ja oder nein? Das größte Problem bei dieser Frage ist wahrscheinlich, dass sich die Herkunft des Leders, das wir tragen nur in den seltensten Fällen nachvollziehen lässt. Heißt, möglicherweise ist das eine Paar Schuhe aus Häuten glücklicher Kühe gemacht (vielleicht ja sogar sowieso schon gestorbener Kühe?), während anderen Tieren für den Gürtel bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschlitzt worden ist. Ehrlich konsequent wäre demnach ein absoluter Boykott. Auch Franziska hat sich nach ihrer Entscheidung schweren Herzens von einer heiß geliebten Tasche getrennt, nachdem sie folgenden Satz gelesen hatte:

„Wenn es um Pelz geht, sind sich die meisten einig: Tieren die Haut abzuziehen, um sie zu tragen, ist grausam und indiskutabel. Leder ist aber nicht anderes als Pelz, eben nur ohne Fell.“ 

Trotzdem bedeutet vegane Mode noch lange nicht ethisch einwandfreie Mode. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass für ein 5 Euro-Baumwollshirt zwar keine Tiere getötet, dafür aber sicherlich ein Haufen von Menschen übel ausbeutet wurde. Stichwort INDITEX: Das Textilunternehmen, welchem beispielsweise auch ZARA angehört, ist durch Sklavenarbeit und Giftstoffe in der Kleidung zu zweifelhaftem Ruhm gekommen.

„Ein T-Shirt aus Baumwolle ist zwar vegan, aber deshalb noch nicht aus ökologischem Material oder unter fairen Herstellungsbedingungen entstanden. Bio-Baumwolle ist besser für die Umwelt und für diejenigen, die die Baumwolle anbauen, ernten und weiter verarbeiten. Ein ökologisch und ethisch korrektes Kleidungsstück kostet zwar – im Vergleich – zu Fast Fashion großer internationaler Handelsketten mehr, aber das eben auf die Kosten von anderen. Zudem finde ich es sinnvoller, in hochwertige, zeitlose und dann lieber weniger Kleidungsstücke zu investieren, die man dann auch lange tragen kann.“, findet Franziska und empfiehlt uns gleich einige Labels, die sowohl vegan als auch ökologisch fair produzieren. Da wäre UMASAN als High Fashion Brand aus Berlin zu nennen oder die Marke BLEED ORGANIC CLOTHING, die in Richtung Skater-Szene geht. Bei wem das Portemonnaie etwas lockerer sitzt, der kann sich ebenfalls bei STELLA MCCARTNEY einmal umsehen! Veganes Schuhwerk findet man bei ETHLETIC, BEYOND SKIN, CRI DE COEUR und GOOD GUYS und nach Taschen kann man sich bei FILL THE BLANK, MATT & NAT und FRITZI AUS PREUßEN umsehen.

So. Nach so viel Input liegt die Entscheidung allerdings – wie so oft – letztendlich bei jedem selbst. Für mich persönlich liegen Veganismus und Vegetarismus einfach im Bereich des Unmöglichen. Dafür mag ich Fleisch und schon alleine Käse einfach viel zu gern. Würde mir da nicht eine ganz gehörige Portion Lebensqualität flöten gehen, könnte ich sicherlich darauf verzichten. Wer sowieso kein großer Fleisch-Fan ist, der kann sich den Schritt ja tatsächlich überlegen. Mir persönlich fällt es auch nicht besonders schwer, nicht bei PRIMARK einzukaufen, Qualität und Art der Klamotten sind mir sowieso zuwider, da lasse ich es ganz einfach komplett bleiben. Mit tierischen Lebensmitteln sieht die Sache bei mir aber einfach anders aus. Trotz der Liebe zum Geschmack ist es aber sicherlich keine schlechte Idee sparsam mit Fleisch umzugehen und sich vielleicht nicht jeden Tag mit dem 1,99 Euro Masthähnchen vom Discounter vollzustopfen. Ich esse wirklich gerne Fleisch, bemühe mich aber um eine relativ fleischarme Ernährung und freue mich dann umso mehr darüber, wenn mir Mama mal ein Stück „ordentliches Steak“ vom heimischen Bio-Bauern mitbringt. Ein anderer wichtiger Aspekt ist natürlich die Sache mit dem Geldesel im Keller. Als Studentin biete ich dem armen Tier noch nicht die angemessenen Lebensbedingungen, die der Arterhaltung förderlich wären. Doch auch ich habe mir vorgenommen, mit jedem monatlichen Euro mehr auf dem Konto, einen weiteren Schritt in bewussteres Einkaufen zu gehen. Sollte dann irgendwann einmal – wenn ich zu Ruhm und Ehre (und Geld) gekommen bin – jemand ein vegetarisches oder veganes Speckläppchen erfinden, dessen Fleischlosigkeit man ihm gar nicht anschmeckt, so melde er sich gerne bei mir – auch wenn es unsagbar teuer ist. Denn ich finde, je eher man dazu in der Lage ist, bewusst zu leben, desto eher sollte man dies auch tun.

Veggie oder nicht Veggie? - Ein Einblick mit Franziska von VEGGIE LOVE