In diesem Beitrag verrät unsere Franzi euch ihre liebsten Tipps für Portrait Fotos im Urlaub und zu Hause. Egal, wo es mit der Kamera hingeht, ihr könnt das Schönste aus den Bildern herausholen. Im Grün des Botanischen Gartens zeigt Franzi euch, wie ihr von euren Ausflügen die besten Bilder mitbringen könnt und erzählt, wie sie selbst die Leidenschaft für Fotografie entwickelte. Also: Bühne frei für unsere Franzi – los geht’s!

Schöne Portraits und Selfies selbst machen AnleitungIch war zwölf Jahre alt. Ich erinnere mich genau, es war ein Freitagabend und meine beste Freundin und ich probierten im Gästezimmer meines Elternhauses Kleider aus dem Schrank meiner Mutter. Es war Winter, also hingen im Gästezimmerschrank ihre Sommerkleider und wir lachten und räkelten uns vor dem großen Spiegel in viel zu großen Pumps und Roben. Ich hatte zum Geburtstag einen Fotoapparat bekommen, damals sprach keiner bei uns in der Familie von „der Kamera“, stets wurde „der Apparat“ gesucht und ich hatte endlich meinen eigenen und verknipste munter die 36 Bilder.

Wenn meine Freundin und ich uns heute die Fotos von damals ansehen, mündet das jedes Mal in einem Gelächter das sich aus einer Freude an die schöne Erinnerung und Scham über die eigene pubertäre Unfähigkeit zusammensetzt. Man könnte sagen die Bilder sind „süß“, das wäre gelinde ausgedrückt. Gelinde, weil man bei der Betrachtung belustigt Mitleid mit uns haben würde und vielleicht selber unvorteilhafte Fotos von sich kennt. In Wahrheit sind sie unschön, aber sie haben Herz. Sie zeigen zwei verkleidete Mädchen, zwei Freundinnen, die sich ausprobieren und Spaß dabei haben.

Noch immer stehe ich wahnsinnig gerne vor der Kamera, inzwischen bin ich mit den Resultaten auch meist sehr glücklich. Jede Möglichkeit für ein Shooting versuche ich wahrzunehmen, nicht nur wegen der Bilder, vielmehr weil mir der Prozess des Shootens viel über mich selbst verrät, ich mich jedes Mal ein Stückchen besser kennenlerne, Erfahrungen sammle und dabei richtig viel Spaß habe. Am liebsten werde ich von meinem guten Freund Daniel Köhler fotografiert.

Location, Posing und Selbstsicherheit – Tipps für Portrait Fotos im Urlaub, daheim & mit Freunden

Vor einigen Wochen haben wir uns ganz in der Früh mit Kamera und Bohoshirt in Berlins Botanischem Garten ausgetobt. Das Shooting lief wie geschmiert und die Ergebnisse gefallen uns beiden richtig gut, deshalb beschreibe ich euch im Folgenden die Tricks, die ich mir über die Jahre und mit den Shootings angeeignet habe, in der Hoffnung, dass sie euch weiterhelfen, solltet ihr auch Lust auf tolle Bilder haben, aber noch nicht so routiniert vor der Kamera sein.

Schöne Portraits und Selfies selbst machen Anleitung

Wer nach den passenden Tipps für Portrait Fotos im Urlaub sucht, weil es demnächst auf Reisen gehen soll, der kann auch in seiner eigenen Stadt einmal schauen, wo es grünt und blüht. Franzis Bilder im Botanischen Garten sind das beste Beispiel dafür, dass es sich mit Palmen und Blüten auch in heimischer Nähe üben lässt – sucht einfach nach einem Wald, Park oder Garten in eurer Nähe, der euch gefällt und legt los!

Erstmal anfangen

Wenn du schöne Fotos von dir möchtest, warte nicht ab, bis du ein teures Outfit, eine fancy Location oder die für dich perfekte Figur hast. Beginne mit dem was da ist, dort wo du bist, mit deiner Unsicherheit und deinen Zweifeln, Hauptsache du machst einen Anfang, beispielsweise mit ein paar Selfies vor dem eigenen Spiegel.

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Übung macht den Meister

Was spielerisch beginnt, kann verfeinert werden. Solltest du noch keine oder nur sehr wenig Shootingerfahrung haben, mach es dir leicht und lass erstmal eine dir vertraute Person ein paar Schnappschüsse von dir schießen. Wichtig ist hierbei keine großen Erwartungen an die Ergebnisse zu haben, sondern diese als Feedback zur Selbstreflexion zu betrachten.

Frage dich: Was gefällt mir gut auf den Bildern, was kann verbessert werden? Wie ist meine Haltung? Stehe oder sitze ich aufrecht? Ist mein Gesicht entspannt oder kneife ich womöglich die Mundwinkel zusammen? Wie ist mein Blick, ist er ehrlich? Was machen meine Hände? Finde ich den gewählten Look, das Outfit oder Makeup vorteilhaft? Welche meiner Posen kommen gut auf den Bildern rüber, auf welche sollte ich beim nächsten Mal lieber verzichten?

Mit dem gesammelten Wissen geh in eine zweite Runde. Lass erneut Fotos von dir machen und setze die Erkenntnisse aus Durchlauf eins so gut es geht um. Anschließend erörtere, was besser geworden ist und an welchen Punkten du noch feilen musst.

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Bald zauberst du mit Franzis Tipps für Portrait Fotos im Urlaub, auf der nächsten Feier, zu Hause vorm Spiegel oder mit den Mädels in der Stadt auch so schöne Bilder. :)

Vorbereitungen treffen

Vor einem Shooting finde ich es sehr hilfreich sich Inspiration zu holen. Dazu sehe ich mir Zeitschriften an und durchforste Pinterest und Instagram. Auf Pinterest sammle ich Posen, die ich gerne nachstellen würde, ich speichere mir auf Instagram Bilder deren Stimmung mir gefallen und reiße aus Magazinen Looks und coole Accessoires aus, die ich als Collage oder Moodboard zusammenklebe.

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Die Wahl des Fotografen

Wichtig ist, dass euch die Fotografin/ der Fotograf sympathisch ist. Mit einer Person zu shooten, die man als schwierig oder unfreundlich empfindet ist eine spannende Herausforderung für all jene, die sicher vor der Linse stehen.

Wenn man bedenkt, dass zu einem netten Miteinander immer zwei gehören und Menschen die Stimmung mit der wir ihnen entgegentreten gerne spiegeln, dann ist klar, welchen Einfluss das eigene Auftreten auf ein Miteinander hat. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, den Löwenanteil unserer Kommunikation schaffen wir nicht durch Gesagtes, sondern durch nonverbale Kommunikation, also durch unsere Mimik, Gestik, unseren Blick, durch die Geschwindigkeit in der wir uns bewegen und sprechen und die Lautstärke, die dabei von uns ausgeht.

Deshalb seid freundlich und legt, gerade wenn ihr den Fotografen nicht persönlich kennt, wert auf die Minuten des Kennenlernens. Zeigt Interesse an seiner/ ihrer Arbeit, stellt Fragen, auch das kann euch helfen selber sicherer in der Situation zu werden.

Die US-amerikanische Schriftstellerin Maya Angelou hat mal gesagt:

I’ve learned that people will forget what you said, people will forget what you did, but people will never forget how you made them feel.

Ebenso, wie euer Verhalten das des Fotografen beeinflusst, beeinflusst seines das eure. Deshalb sind Respekt, Wertschätzung und Höflichkeit an dieser Stelle wichtige Punkte und Icebreaker. Sollten euch diese selbst nicht entgegengebracht werden, seid achtsam mit euch und überlegt, ob ihr nicht nach einem anderen Fotografen/ einer anderen Fotografin suchen solltet. Ein guter Fotograf lässt dich wohl und sicher in deiner Haut fühlen und vermittelt dir, dass du gut bist, so wie du bist.

Schöne Portraits und Selfies selbst machen AnleitungGanz persönlich werde ich als Frau lieber von Männern fotografiert. Das liegt daran, dass ich mich generell sehr wohl im Umgang mit Männern fühle und dann leichter mit der Kamera flirten kann, was mir wiederum hilft, blicktechnisch ausdrucksstarke Fotos zu bekommen. Probiert, wenn die Möglichkeit dazu besteht, beides aus. Gerade wenn ihr den Wunsch nach einer ganz femininen Fotoreihe von euch habt, kann die doppelte Frauenpower eine super Herangehensweise sein.

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Die Wahl der Location

Eine schöne Location kann wahnsinnig hilfreich für gute Aufnahmen sein. Einerseits, weil sie ein Fundament bildet, auf beziehungsweise vor dem ihr stehen und strahlen könnt, andererseits weil sie es euch erleichtern wird, euch in die gewünschte Stimmung (mystisch, sexy, unternehmerisch, fröhlich, streng, fragil, cool, modern etc.) zu versetzen.

Dazu braucht es keinen Botanischen Garten mit imposanten Gewächsen, auch eine kühle Betonwand in einem Industrieviertel kann beispielsweise ein toller Hintergrund sein. Überlegt euch unbedingt, was für Fotos ihr möchtet. In einem schlichten oder berauschenden Setting? Und überlegt, ob ihr euch der Kulisse entsprechend oder konträr verkleiden möchtet. In allen Varianten liegt etwas Reizvolles. Wichtig ist für den Anfang mit der Option zu arbeiten, die euch am meisten Sicherheit vermittelt.

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Frag dich: Will ich Gegenstände, Pflanzen oder Möbelstücke hinter denen ich auch mal ein Körperteil verstecken kann oder mit denen ich spielen kann? In welchem Outfit und mit welchem Make-up fühle ich mich wohl und dem Setting entsprechend? Brauche ich einen Ort, an dem Ruhe und Ungestörtheit herrschen oder helfen mir Musik und eine Geräuschkulisse?

Persönlich kann ich nur dazu raten, eine Location zu wählen, in der wenig Trubel herrscht, damit man sich in Ruhe und ohne Hektik auf sich und den Fotografierenden konzentrieren kann. Ausreichend Zeit zu haben, für ein Bild, macht viel mehr Spaß als unter Druck mit zwei Schüssen einen Treffer landen zu wollen. Hintergrundmusik laufen zu lassen, kann ebenfalls sehr hilfreich sein um in die gewünschte Stimmung und Bewegung zu kommen und dem Shooting einen weniger künstlichen Touch zu geben.

Wichtig ist vor allem das Licht. Je dunkler, desto schmeichelhafter wirkt die Figur, gerade wenn ihr viel Haut zeigen wollt. Im Bikini im grellen Sonnenlicht auf einem Foto straff auszusehen, ist viel schwerer als bei gedimmtem Licht oder Abendsonne. Beim shooten von Homestories können auch die ersten morgendlichen Sonnenstrahlen eine tolle Stimmung ins Bild und auf euer Gesicht zaubern.

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Während des Shootings

Sprecht mit dem Fotografen. Hört zu, was er oder sie euch an Tipps und Anmerkungen gibt und versucht diese bestmöglich umzusetzen. Habt Vertrauen in die Person hinter der Kamera und lasst ihn/ sie wissen, ob es euch lieber ist angeleitet zu werden oder nicht. Ich mache hier meist eine Mischung aus eigenen Ideen und Posen und frage zwischendurch den Fotografen, was ich noch ausprobieren könnte. Ein Shooting ist Teamwork.

Posing: Spielt mit dem Raum um euch, bewegt euch, nutzt die Hände. Schöne Hände geben einem Bild eine gute Portion Intimität. Ihr könnt sie gen Kamera strecken, auch wenn sich das zunächst unnatürlich anfühlen mag, aber beim Spielen mit Linse und Raum entstehen aus den verrücktesten Bewegungen manchmal die bezauberndsten Fotos.

Zudem sind an den Körper gepresste Arme fast immer unvorteilhaft und wirken viel massiger, als sie in Wirklichkeit sind. Wechselt deshalb zwischen großen Posen (breiter Stand, Schritte gen Kamera, Sprünge, ausgestreckte Arme, vielleicht gen Himmel) und kleinen, innigen Posen (Hände am Gesicht, vor dem Körper, auf die Zehenspitzen oder etwas abgewendet von der Kamera).

Schöne Portraits und Selfies selbst machen AnleitungSeid neugierig, nehmt den Fotografen mit auf eure Entdeckungstour der Umgebung. Dabei könnt ihr euch von ihm abwenden, so tun als sei da keine Kamera und ihr am Erkunden oder in Gedanken versunken. Alternativ könnt ihr auch immer bei der Kamera bleiben, den Blick kaum abwenden, direkt mit ihr spielen, euch dabei aber mal gegen eine Wand lehnen oder setzen, euch legen oder drehen.

Ist es euch lieber, dass der Fotograf ansagt bevor er ein Foto schießt oder lasst ihr euch lieber von seinen Knipsern überraschen? In den meisten Fällen ergibt sich dies automatisch, falls nicht, liegt der Schlüssel in der Kommunikation. Für ein schlankes Gesicht empfehle ich mit der Kieferpartie zu arbeiten. Seht euch am besten das dazugehörige Jawline-Video von Fotograf Peter Hurley an. Mir hat das total geholfen.

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Blick: Folgt mit den Augen euren Bewegungen, seht zu euren Händen oder in die Ferne, geht die Himmelsrichtungen mit dem Blick ab. Solltet ihr Schwierigkeiten damit haben, entspannt und natürlich zu schauen, bittet den Fotografen euch Bescheid zu geben, kurz bevor er abdrückt und öffnet erst dann die Augen. Gerade bei Portraitaufnahmen ist der Blick entscheidend. Es kann entspannend wirken, die Augen geschlossen zu halten, sich zu justieren, ein- und auszuatmen und dann „Klick“ mit wachem Blick direkt in die Linse zu sehen.

Spielen kann man auch sehr gut mit einem langsamen Augenaufschlag, dazu wandert ihr mit dem Blick von euren Füßen vertikal nach oben bis zur Linse und eventuell darüber hinaus. Versucht auch ein langsames Schließen der Augen mit vertikal wanderndem Blick. Mir persönlich gefallen auch sehr gut Bilder, auf denen das Model die Augen geschlossen hält. Dabei kann man das Gesicht beispielsweise gen Sonne richten.

Einen Unterschied macht zudem, ob man während des Blickens in die Kamera aus- oder einatmet. Probiert am besten beides und atmet mal durch die Nase ein und aus und dann durch leicht geöffnete Lippen, das entspannt die Mundpartie.

Mir persönlich hilft es bei Close-ups, also bei Großaufnahmen des Gesichts, an besonders traurige beziehungsweise fröhliche Situationen aus meinem Leben zu denken. Die Gedanken dahingehend zu steuern, verändert automatisch Details in Haltung und Mimik.

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Nach dem Shooting

Übung macht den Meister, deshalb geht davon aus, dass nicht jedes Foto ein Treffer ist. Wir bereiten uns im Leben manchmal die größten Schmerzen durch unsere eigenen hohen Erwartungen. Ziel sollte sein, eine Handvoll schöner Bilder zu erhalten und nicht 350 Volltreffer.

Die wenigsten Bilder schaue ich mir direkt nach oder während des Fotografiert-werdens an. Lediglich als Zwischenfeedback, vor allem für den Fotografen, gibt es ein paar Blicke auf sein Kameradisplay. Den Rest betrachte ich erst nach der Bearbeitung und Sortierung, das gibt einem ein viel besseres Gefühl, als sich all die Reinfälle zu Gemüte zu führen, die ganz natürlich bei einem Shooting entstehen.

Zum Abschluss hier ein Motto, das ich auch sehr passend für das Herangehen an ein Shooting finde: „Confidence without ego“. In diesem Sinne viel Spaß beim Ausprobieren! Schickt uns gerne ein Foto, auf dem ihr einen meiner Tipps anwendet und auf dem ihr euch gut gefallt.

Schöne Portraits und Selfies selbst machen AnleitungAn dieser Stelle möchte mich auch nochmal ganz herzlich bei Daniel für seine Zeit und Arbeit bedanken, ich kann ihn nur wärmstens empfehlen! Seine Fotos könnt ihr euch auf Instagram unter danielkoehler_people und danielkoehler_weddings ansehen.

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