Nach seiner zehnmonatigen Ausbildung zum International Wilderness Guide ist Johannes Kormann unser Mann für die ganz wilden Abenteuer – klar, dass er sich auch mit den Lesen von Tierspuren auskennt.

So klappt’s auch für euch beim Tierspuren Lesen

Einer der vielen Vorteile des Schnees ist: Er hat ein langes Gedächtnis. Vor allem wenn man nach Neuschnee in den Wald geht, kann man die Geschehnisse der letzten Stunden oder Tage auf dem Boden ablesen. An Tierspuren. Überall wimmelt es von Abdrücken kleinerer und größerer Pfoten, Krallen, Hufen, Klauen, Flügel. Jetzt stellt sich die Frage wer ist wer? Und wieso?

Der Anfang beim Tierspuren Lesen ist erst einmal die Recherche. Wo befinde ich mich? In welcher Region der Erde und welche Tiere gibt es hier? Klingt vielleicht banal aber wer weiß schon genau, wie weit nördlich Waschbären wohnen oder wo sich der Biber wieder breitgemacht hat. Danach kann man den Lebensraum etwas eingrenzen und sich fragen, wo stehe ich jetzt in der Region? Im Wald? An einem See? Am Meer? Tiere haben ihre bevorzugten Lebensräume und dieses Wissen hilft uns die Suche nach dem Verursacher einer Spur einzugrenzen. Jetzt geht es an die Spur an sich. Diese besteht nicht nur aus einem Abdruck (Trittsiegel) im Schnee (oder auch im Schlamm oder Sand) sondern auch aus der Fährte, welche die Abdrücke bilden und aus allem was das Tier sonst noch hinterlassen oder mitgenommen hat: Fraßspuren, Kot, Gewölle, Geweihe, Bauten oder Nester. Die Welt der Tierspuren ist zu groß als das ich das jetzt alles hier abhandeln könnte, aber ich möchte euch einige Beispiele zeigen, die mir hier in Lappland oft und weniger oft begegnen.

Wer sich für die Tiere und ihre Spuren in Mittel-und Nordeuropa interessiert dem empfehle ich das Buch „Tierspuren“ von Lars-Henrik Olsen in dem sehr viele Tritt-, Fraß-, Kot- und andere Tierspuren dargestellt und die Gewohnheiten und Lebensräume der Tiere erklärt sind.

Der Schneehase

Hier in Lappland gibt es weder Feldhase noch Kaninchen, nur den Schneehasen. Dieser ist kleiner als der Feldhase, doch größer als das Wildkaninchen und wechselt seine Fellfarbe im Winter zu Weiß.


Hasen hinterlassen verwirrende Spuren. Ihre größeren Hinterpfoten stehen in der Spur vor dem Abdruck der Vorderpfoten. Das kommt durch den Bewegungsablauf des Schneehasen. Dieser streckt die Vorderpfoten aus, die Hinterpfoten ziehen nach und Landen vor der Vorderpfoten kurz nachdem er diese wieder ausstreckt. Außerdem hat der Schneehase im weichen Schnee noch einen großen Vorteil gegenüber dem Feldhasen, er hat Schneeschuhe. Der Schneehase kann die Zehen seiner Hinterpfoten aufspreizen und hat dadurch mehr Auflagefläche auf dem weichen Schnee, wodurch er wiederum nicht so tief einsinkt.

Tier spuren lesen

Spur eines Schneehasen in weichem Schnee


Doch das ist nur die Spur, die die Hasenpfoten hinterlassen. In jungen Wäldern mit kurzen Birkenbüschen kann man überall die Fraßspuren des Schneehasen entdecken, da er dort kleine Zweige und Endtriebe findet und diese mit einem Biss glatt abtrennt. Die Kotpillen des Schneehasen sind gleichmäßig rund und zeigen Reste von Holzfasern.

Tier spuren lesen

Nagespuren eines Schneehasen an einem Birkenzweig

Das Schneehuhn

Es gackert manchmal seltsam in den Wäldern des hohen Nordens und dann schlagen Flügel. Irgendwo ist ein Schneehuhn aufgeflattert. Die Tiere schlafen im Winter in Schneekammern, kleinen Höhlen knapp unter der Schneedecke, in denen sie eine ganze Menge Kot hinterlassen. In der Kammer sind sie geschützt vor dem rauen Wind und außerdem gut isoliert.

Ready for Takeoff: Links die Lauf- und Flügelspuren eines Schneehuhns/ rechts die Fraß- und Kotspuren eines Schneehuhns an einer Birke und unten der Kot eines Schneehuhns in einer Schneekammer

Kommt nun ein Schneeschuhwanderer oder Skifahrer daher, warten die Hühner ab. Sie wollen nicht unbedingt aufflattern, jegliche Energie muss in dieser harten Zeit gespart werden. Doch wenn sie dann das Gefühl haben, der Unbekannte nähert sich ihnen, flattern sie plötzlich aus ihrem Versteck. Das alarmiert die Schneehühner in der Nähe und plötzlich gackert und flattert es überall, bis die Hühner still davon segeln.

Tier spuren lesen

Sieht etwas planlos aus: Lauf- und Flügelspuren mehrerer Schneehühner auf einem See

Die Tierspuren der kurzen, federbedeckten Schneehuhnbeine ziehen sich oft als Band von kurzen Schritten durch Ansammlungen junger Birkenbüsche. Von diesen fressen sie die Knospen und Endtriebe. Genau wie der Schneehase wechselt das Schneehuhn im Winter seine Gefiederfarbe und verschmilzt in reinem Weiß mit der Landschaft.

Das Schneehuhn trägt zuweilen auffällig roten „Lidschatten“ über den Augen.

Das Birkhuhn

Die Spur des Schneehuhns lässt sich leicht mit der des Birkhuhns verwechseln, da dieses nur etwas größer ist als das Schneehuhn und ebenfalls in Schneekammern schläft. Das Birkhuhn hält sich allerdings eher im oberen Bereich der Bäume auf und frisst dort Birkenknospen und Kiefernnadeln.

Tier spuren lesen Birkhuhn

Wirkt etwas scheu. Das Birkhuhn sitzt gerne in den Bäumen und versteckt sich dort vor dem Fuchs und Vielfraß.

Tier spuren lesen

Passt auf seine Mädels auf: der Birkhahn

Der Fischotter

Eine weniger häufige Spur im Winter ist die des Fischotters. Mit seinem dicken Bauch und seinen kurzen Beinen zieht er eine Schleifspur durch den Schnee, die sich oft in der Nähe von Öffnungen im Eis befindet. Dort taucht er unter die Eisoberfläche und jagt die im Winter sehr trägen Fische.

Tierspuren lesen Fischotter

Gluck, gluck – der Fischotter taucht auch im Winter unter der Eisschicht durch und fängt durch die Kälte verlangsamte Fische.

In anderen Regionen hält der Otter die Öffnungen sogar offen, indem er das Wasser mit den Pfoten bewegt, doch im harten Winters des Norden legt er mitunter große Strecken zurück um eine Öffnung zu finden. Mit etwas Glück jagt der Otter auch mal ein kleines Beutetier an Land, was jedoch mit seinem Körperbau sehr schwierig ist.

An Land mit seinen kurzen Beinen eher ungelenk zieht der Otter lange, breite Spuren durch den Schnee.

Rentier und Elch

Die Spuren von Rentier und Elch sind im tiefen Schnee fast nicht zu unterscheiden. Beiden haben ungefähr gleich große Pfoten, der Elch hat jedoch eine Schulterhöhe von ca. zwei Meter und das Rentier dagegen gerade mal einem Meter. Die Rentieren haben somit sehr große Pfoten, welche sie ähnlich wie der Schneehase aufspreizen können und dadurch im Schnee nicht so tief einsinken. Außerdem helfen ihnen die großen Pfoten im Schnee nach Flechten zu graben. Die Lieblingsspeise der Rentiere ist Baumbart, der wie lange Haare von den Bäumen in nordischen Urwäldern herunterhängt und meist bis zur Kopfhöhe der Rentiere abgefressen ist.

Tierspuren lesen Rentier

Rudolph nimmt sich eine Auszeit vom Stress der Weihnachtstage. ;) hier erkennt ihr super die großen Füßchen

Elche dagegen fressen im Winter auf Kopfhöhe kleine Zweige und Äste von jungen Kiefern und hinterlassen dabei abgefranste Kanten. Sie nagen außerdem an der Rinde von Zitterpappeln und Kiefern, was breite Furchen im Baum hinterlässt.


Der Kot von Elchen ist im Winter trocken und ähnelt in der Größe Eicheln, der Kot von Rentieren ist dagegen kleiner und ähnelt dem vom Reh. Rentiere sind Herdentiere, ihre Spuren findet man eher selten isoliert, sondern meist sieht man das eine größere Gruppe zusammen unterwegs war. Elche dagegen sind Einzelgänger und nur selten in Gruppen unterwegs. Es gibt allerdings einige Ausnahmen, was die Bestimmung nur anhand der Fährte schwierig macht.

Tier spuren lesen

Hier ist ein Rentier durch den Schnee gestampft.

Der Rotfuchs

Wo Hühner und Hasen sich tummeln ist auch Herr Fuchs nicht weit. Hier in den borealen Nadelwäldern Lapplands streift der Rotfuchs durch den Schnee, auf der Suche nach Beute. Dabei bewegt er sich äußerst graziös und setzt seine Hinterpfoten in die Abdrücke der Vorderpfote, wodurch eine sehr gerade Spur entsteht. Auf kleinen Anhöhen, wie zugeschneiten Bäumen, Baumstümpfen oder Schneehügeln setzt er seine Markierung. Das kann entweder Urin sein oder auch Kot.

Die schnurgerade Spur eines Fuchses – bei jeder Pfote ist nur ein Tritt zu sehen.

Tier spuren lesen

Aufgepasst, ihr kleinen Häschen! Herr Fuchs ist auf der Pirsch und will euch fangen.

Marder, Wiesel, Hermelin

Mauswiesel, Hermelin und Baummarder hinterlassen ähnliche Spuren da sie gleichen Familie gehören und die gleiche Gangart haben. Die Spuren unterscheiden sich vor allem in der Größe.

Während ein Wiesel als kleinstes europäisches Raubtier gerade mal um die 15cm groß ist, misst das Hermelin ca. 23cm. Beide wechseln im Winter ihre Fellfarbe zu weiß mit einer schwarzen Schwanzspitze.


Der Baummarder dagegen behält sein braunes Fell und ist mit einer Körperlänge von ca. 46cm wesentlich größer als seine Verwandten. Die Spur des Mauswiesels endet oft in Gängen unter dem Schnee wo sich die Mäuse um diese Jahreszeit tummeln, die Spur des Baummarders findet man zwischen Bäumen.

Tier spuren lesen

Spur eines Baummarders

Wolf, Bär, Luchs und Vielfraß

Auch die großen Raubtiere sind Bewohner der lappländischen Wälder. Sie haben es allerdings schwer sich gegen die dominierende Rentierzucht durchzusetzen, wodurch die Tiere vorsichtig und ihre Spuren selten sind. Die Bären halten Winterschlaf, ihre Spuren kann man erst im späten Frühling im Schnee entdecken. Auf die anderen Räuber trifft man allerdings ab und zu.

Tier spuren lesen Luchs

Hat einen scharfen Blick – der Luchs

Unser Freund der europäische Bär kommt eigentlich erst im Frühjahr wieder aus seiner Höhle.

Tier spuren lesen Luchs

Miau, ganz wie unsere Hauskatzen klettern auch die Luchse gerne hoch hinaus. <3

Tier spuren lesen Vielfrass

Und schnappt – da hat’s ein Hühnchen erwischt. Er ist eben ein Vielfraß.

Tier spuren lesen Fischotter

Na, welcher Land und Wasserbewohner hat hier seine Spur gezogen?

Kaut gerne die Rinde von den Bäumen.

tier spuren lesen Fuchs

Tip tap, hier ist der Fuchs entlang stolziert

tier spuren lesen

Spur eines Schneehasen auf festem Schnee

Tier spuren lesen Luchs

Purrr…purrr… seltenes flauschiges Fellnäschen – der Luchs

Tier spuren lesen Hase

Psssst… ich verstecke mich vor dem Fuchs.