SCHNIPO SCHRANKE auf den Teller und in's Ohr!Fäkalhumor ist doch immer noch der schönste, Penisse werden nie von Hörsaaltischen verschwinden und wer so elegant stinkige Exkremente und herzerweichende Liebesbekundungen in einem Song verwurstet, der hat umgehend ’nen Stein im Brett. Das müssen gute Menschen sein. So irrwitzig-verstörend PISSE seit zwei Jahren jedoch durch den selbstironischen Indie-Diskurs hallt, so sehr haftet der Hit dem Hamburger Duo SCHNIPO SCHRANKE nun an und verstellt damit natürlich den Blick auf die Tatsache, dass Fritzi Ernst und Daniela Reis auch sonst ganz schön helle Kerzen auf der Torte sind. Kurz noch ein Wort zum fantastischen Bandnamen, der mein karnivores Herz natürlich höher schlagen lässt? Nein lieber nicht, lasst ihn einfach wirken: SCHNI-PO SCHRAN-KE! Schön.

Lange hat man in der Szene gewartet, dass nach PISSE etwas passiert, denn die wilde Crowd verlangt natürlich nach mehr, sobald man ihr das schmackhafte Häppchen Brot zuwirft. Das Warten hat sich nun aber gelohnt, denn der Erstling SATT auf BUBACK ist erschienen und hält sehr löblich, was die Single versprochen hatte, die sich übrigens genüsslich auf Platz 1 der Kritikercharts der INTRO breit machte.

Die Girls vereinen in ihren Texten Absurdität, Alltäglichkeiten und Anstößiges, wirken dabei nie gewollt aggressiv und provokant, auch wenn das der ein oder andere sicherlich anders sieht. Pop-Musik und teils derbe Alltagssprache gehen eben noch nicht wirklich Hand in Hand. SCHNIPO SCHRANKE tragen allerdings fleißig dazu bei dies zu ändern. Instrumental wird das Ganze untermauert von Drums und Synthesizer, live kommt dann noch ein weiterer KORG hinzu, auf dem das Hamburger Musikmysterium ENTE herumwerkelt.

Generell ist Hamburg für die zwei fertigen Studentinnen der klassischen Musik (Daniela: Cello; Fritzi: Blockflöte. Ihr lest richtig, Blockflöte my soul Alter!) ein heißes Pflaster. Mensch gewordene Musikinstitutionen wie GEREON KLUG und ROCKO SCHAMONI attestieren den beiden schillerndes Talent und einen liebenswerten Charme, der nicht mal weiß, dass er charmant ist.

SATT hat letzten Herbst Premiere gefeiert und ich bin schon voll um den Finger gewickelt. Wie könnte man auch nicht, bei einer Band, deren Selbstbeschreibung schon runter geht wie Butter:

Das ist die neue Schule. Das ist Schnipo Schranke, ’ne Kurze und ’ne Kranke, zwei Emos, ein Gedanke. Wir schreiben Zeile für Zeile, aus purer Langeweile.