MARINA HOERMANSEDER: Modische Extravaganz, traditionelles Handwerk & fragwürdiger Körperkult

Mode ist nicht nur Konsumgut, sondern viel mehr auch ein Kulturphänomen. Mode kann Geschichten erzählen. Mode inspiriert. Mode kann ganz neue Welten erschaffen. Viele Designer lassen sich ebenso für ihre Kollektionen von vergangenen Epochen inspirieren und schaffen so neue Welten mit Details aus einer anderen Zeit. Die österreichische Modedesignerin MARINA HOERMANSEDER ist eine von ihnen. Sie fand ihre Inspiration für ihre Frühjahr/Sommer Kollektion 2016 in traditionellen österreichischen Handwerksbetrieben, welche aufwendig verzierte Trachten und Gewänder der österreichisch-ungarischen Zeit der Monarchie fertigen. Dabei steht vor allem die weibliche Silhouette im Vordergrund sowie die Stützkorsetts, welche innerhalb der Orthopädie des 18. Jahrhunderts eine wichtige Rolle einnahmen.

MARINA HOERMANSEDER: Modische Extravaganz, traditionelles Handwerk & fragwürdiger Körperkult

Die Designerin spielt mit dem Bruch zwischen robusten, ein bisschen fetischhaft anmutenden Schnallen und Lederriemen und verblümter Romantik. Märchenhafte Puffärmel, Spitze und handgefertigte Lederapllikationen in Lochstickoptik erinnern an die vergangene Monarchie. Ein Zusammenwirken aus mädchenhaften, lieblichen Designs, die pure Lebendigkeit widerspiegeln und statischen Elementen.

MARINA HOERMANSEDER: Modische Extravaganz, traditionelles Handwerk & fragwürdiger Körperkult

Dieser Gegensatz zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kollektion. Hier treffen leichte Farben wie Puderrosa, Babyblau, gräuliches Flieder und Pastellgrün auf traditionelle Handwerkskunst. MARINA HOERMANSEDERs Vorliebe für die Blütezeit ist unverkennbar. Feine Lederblüten auf statischen Röcken lassen mich von einem langen Spaziergang auf dem Land träumen. Hier trifft Extravaganz auf Tradition. Robustheit in Form von Lederapplikationen, Riemen und Schnallen verschmelzen mit der Sanftheit von Pastellfarben, Spitze und feinem Krepp.

MARINA HOERMANSEDER: Modische Extravaganz, traditionelles Handwerk & fragwürdiger Körperkult

Mich persönlich spricht diese Spiel mit den Gegensätzen von Materialien und Formen an. Es macht die ganze Kollektion extravagant. Ebenso gegensätzlich ist die Alltagstauglichkeit. Einige Teile, wie Spitzenbluse oder eine handgesmokte Ballonhose lassen sich wunderbar in unsere Schränke integrieren. Andere hingegen, wie zum Beispiel die statischen Röcke mit Lederriemen und Schnallen verziert, sind wahre Kunstwerke angelehnt an die traditionelle österreichische Trachtenmode.

Fraglich bleibt jedoch der hier angepriesene und auf den Fotos gezeigte Körperkult. Denn statische Formen und eng geschnürte Korsetts  stehen weder im Zusammenhang mit dem weiblichen Körper, noch verkörpern sie das Bild einer femininen Silhouette der Gegenwart. Und auf herausragende Modelknochen können wir getrost in zukünftigen Lookbooks verzichten!

MARINA HOERMANSEDER: Modische Extravaganz, traditionelles Handwerk & fragwürdiger Körperkult

Die Fotos stammen aus dem aktuellen Lookbook von MARINA HOERMANSEDER