Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Ich sitze in meiner Wohnung. Ich bin kaputt. Hungrig, durstig und wahnsinnig müde. Es ist dunkel und furchtbar still. Der Tag war lang und warm. Die Anspannung fällt so langsam von mir ab. Ich vermisse jetzt schon die Tage, die ich am Spielfeldrand mit meinen Jungs verbracht habe.

„Meine“ Jungs. Eine Freundin von mir bricht jedes Mal in großes Gelächter aus, wenn ich mal wieder von „meinen“ Jungs erzähle. Aber jeder einzelne hat seinen eigenen Weg in mein Herz gefunden und jeder für sich ist etwas ganz Besonderes. Große Männer. Noch großartigere Menschen.

Wovon ich überhaupt rede? Von dem Team, zu dem ich seit einigen Monaten gehöre: Den LÜNEBURG RAZORBACKS. Ein Football Team in der schönsten Stadt der Welt gegründet und dieses Jahr haben wir unsere erste Saison bestreiten können: Mit viel Disziplin. Hartem Training. Kampfgeist. Teamgeist und verdammt noch mal viel Herz.

Meine persönliche Football Leidenschaft hat vor einigen Jahren angefangen. Da habe ich ein Spiel in Hamburg mit einer Freundin besucht und war sofort begeistert, aber selbst Teil zu haben…

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

LIFE IS GREAT. FOOTBALL IS BETTER! – STEVE SABOL

…ist eine ganz andere Geschichte. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mir ein Flyer der LÜNEBURG RAZORBACKS in die Hände fiel! So ein Spektakel kann ich mir doch nicht entgehen lassen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich bin Feuer und Flamme. Verliebt in den Sport. In diese Jungs da unten auf dem Feld. In ihre roten Jerseys mit dem Zwick Herz auf der Brust. Ich träumte vor mich hin, bis plötzlich eine Lautsprecherdurchsage zu mir durchdringt: „wir suchen immer Menschen, die uns unterstützen wollen und wir freuen uns über jeden freiwilligen Helfer. Sprecht mich gerne an!“ 

Ich überlege mir das eine gute Woche lang. Soll ich meine Hilfe anbieten? Was kann ich überhaupt für ein Football Team machen? Kuchen verkaufen? Wasser verteilen? Jerseys waschen? Ne. Das kann es ja nicht sein. Doch nur Fan sein ist mir plötzlich nicht mehr genug. Und ich hab das Gefühl, das könnte was werden. Erst mal eine Mail schicken und dich vorstellen, denke ich bei mir. Fragen, wo überhaupt Hilfe im Team gebraucht wird. Mehr als „nein“ sagen können sie ja nicht.

Ein paar Tage später sitze ich dann auch schon dem Chef gegenüber. Ich werde beäugt. Ich zweifel stark an mir und meiner geistigen Zurechnungsfähigkeit. Ich werde nervös: „Was zur Hölle hab ich mir dabei gedacht? Wieso biete ich meine Hilfe einem Football Team an?“  Aber das Gespräch läuft gut. Wir sind auf einer Wellenlänge. Einen Plausch später sind wir uns einig, wenn ich ins Team passe, helfe ich im organisatorischen Bereich. Ein paar Tage später bekomme ich einen Anruf. Ich soll dem Team vorgestellt werden.

Vom freudigen Grinsen wird schlagartig zu Panik und mein Kopf beginnt rot zu glühen. Irgendwann später stehe ich unzähligen, riesigen Kerlen gegenüber und werde vorgestellt, ich kann mich kaum konzentrieren und bin heilfroh, dass ich das nicht selber machen muss. Doch dann hebt einer der Spieler seine Hand: „Ich würde mich ja freuen, wenn Kaye sich selber vorstellt.“ Es wird gelacht und gegrient. Ich setze noch einen Rotton nach und weiß gar nicht mehr genau, was ich da überhaupt raus gestammelt habe.

Ich bin eher ein Mädchen-Mädchen. Sprich, ich habe eigentlich keine männlichen Freunde. Männer sind in meinem Umfeld nur Bekannte oder Familie oder Partner. Doch das hier wird anders. Das habe ich sofort im Gefühl…

Life is great. Football is better. – Steve Sabol

Bin ich eigentlich rot geworden?“ – „Ja. Aber dein Lippenstift hat das alles etwas ausgeglichen.

Es geht also los, ich bin dabei! Zuerst beim Training. Das Team unterstützen. Ehrlich gesagt bin ich jedes Mal nervös. Ich will respektiert werden. Keine Tussi sein. Dennoch ich selbst sein und einfach zeigen und geben, was ich kann. Nicht aufdrängen und Jungs, Jungs sein lassen.

In den ersten Spielen bekomme ich alles gezeigt. Lerne Stück für Stück die Rotte kennen. Muss mich am Anfang stark zusammen reißen nicht alles so ernst zu nehmen was gesagt und gemacht wird. Den roten Kopf zuhause lassen! Von Woche zu Woche wachsen mir diese liebenswerten „kleinen“ Chaoten ans Herz. Zuerst ganz langsam und dann mit Vollgas!

Ich habe allerdings auch gezweifelt, ob ich überhaupt noch mal hingehe. Und das nicht zu knapp. Wieso ich mir das gerade jetzt überhaupt gebe. Doch dann kam immer ein toller Mensch und hat mich mit den Sätzen aufgebaut: „Das ist genau dein Ding! Das brauchst du! Das bist du! Ich habe dich schon lange nicht mehr so glücklich und erfüllt erlebt.“ Und was soll ich sagen: Ihr hattet recht!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Ich wurde schneller akzeptiert und aufgenommen als ich es mir hätte ausmalen können. Obwohl ich erst seit Mai dazu gehöre fühlt es sich so an, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Ich bekomme dafür kein Geld. Es ist alles ehrenamtlich und es tut gut.

6 Spiele habe ich die Jungs begleitet. Habe Jerseys verteilt. Spielberichtsbögen geführt und den Passscheck im Auge behalten. Viele kleine und große Dinge erledigt. Mit geschwitzt, mit gelitten, mit gefiebert, mich gesorgt, mit gefreut und mit geweint. Schwitzige Jerseys wieder eingesammelt. Gewollte und ungewollte Umarmungen verteilt und bekommen. Nackte Tatsachen erlebt. Neue Freunde gewonnen. Und vor allem eine neue große Familie bekommen:

„Eine Familie mit einem Haufen Brüdern. .. und die Schwester die versucht alle unter Kontrolle zu halten.“ (Andre)

Es hängt viel mehr an einem Spielbetrieb als man es sich vorstellen kann. Als Zuschauer siehst du nur einen kleinen Teil. Was vor und hinter den Kulissen passiert bleibt dem normalen Fan verborgen. Doch genau diese Dinge sind einfach unglaublich wichtig. Dafür gibt es die Abteilungsleitung, die Coaches, den Verein, das Orgateam, die Spielerfrauen, die Eltern, Fans und Sponsoren. Jeder von uns hat seine Aufgaben. Jeder trägt dazu bei, dass wir das sind was wir sind. Ein Team.

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Wie ihr ja wisst, hat sich in diesem Jahr mein gesamtes Leben gedreht. Es hat sich alles geändert. Nichts ist mehr so wie es war. Ich wollte diese Stadt verlassen. Mein kleines Lüneburg, das mich nur noch an Dinge erinnert hat, die ich vergessen wollte. Auf nach Berlin. Die große Stadt, in der ich immer leben wollte. Es war schon alles geplant. Die Wohnungssuche lief und Bewerbungen wurden auch schon gen Hauptstadt geschickt. Doch die Zeit, die ich mit den LÜNEBURG RAZORBACKS verbracht habe, hat mir meine Liebe für die eigene Stadt und die Menschen, die hier leben, wieder gebracht. Ich kann hier nicht mehr weg. Wegen euch und nicht wegen mir selbst.

Life is great. Football is better. – Steve Sabol

Die erste Saison liegt nun schon seit Wochen hinter uns. Leider. Das alles ging leider viel zu schnell vorbei, aber keine Sorge, das Training für die kommende hat bereits begonnen!

Und trotzdem, ist es vielleicht nie zu spät, sich zu bedanken. Danke möchte ich an alle Spieler, Coaches, Spielerfrauen dem gesamten Staff und vor allem an Ulrich sagen. Ihr habt mich in ein Team aufgenommen, dass so einzigartig und toll ist, dass ich es kaum in Worte fassen kann. „Leben ist das, was passiert, wenn du eifrig dabei bist andere Pläne zu schmieden.“ Noch nie konnte ich diese Phrase so gut anwenden, wie jetzt.

Bis dahin, Hakuna Matata.

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Life is great. Football is better. – Steve Sabol

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Life is great. Football is better. – Steve Sabol

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Kein Mann der Welt hält mich davon ab nach Berlin zu ziehen! Aber 70 LÜNEBURGER RAZORBACKS schon!

Danke auch an Janine Martin von www.frischefotografie.de, die mich am letzten Spiel begleitet hat und für die Bilder in dem Artikel verantwortlich ist. Du bist großartig.