Winterdepression

Olé olé der Sommer ist endlich vorbei. Keine doofen Tage mehr am See, kein frohlockendes Flutschfinger-Verzehren, kein selbst auferlegtes Hitzefrei. Ob ich dies wohl ernst meine? Natürlich NICHT! Die Winterdepression klopft an die Tür und auch wenn wir nicht wollen, öffnen wir ihr doch früher oder später.

Dennoch kann man sich ja ein paar Kniffe und Tricks zulegen, um ihr ein wenig entgegen zu steuern, denn nur, weil eine einzige Schlacht an den winterlichen Trübsinn geht, heißt das ja nicht, dass gleich der ganze Krieg verloren ist. Ich selbst habe folgende Tipps noch nicht alle angewandt, bin aber von deren Nutzen hochgradig überzeugt und werde mich mit Sicherheit in den künftigen Monaten an ihnen versuchen:

1. Zuallererst wird sich ein Lichtwecker zugelegt. In der kalten Jahreszeit ist gerade das Aufstehen ein Problem sondergleichen und bereitet mir regelmäßig Zustände äußerster Verzweiflung. Ein Lichtwecker klingt für mich persönlich nach der ultimativen Lösung, denn zu einer langsam stärker werdenden Tageslichtsimulation wach zu werden, stelle ich mir um einiges entspannter vor als von dem disharmonischen Geplärre eines normalen Weckers aus dem Bett geworfen zu werden.

2. Wir sind immer noch beim Aufstehen. Meine Bedürfnisse werden sicherlich schon durch den erwähnten Wecker befriedigt sein, doch es soll ja bekanntermaßen auch härtere Fälle geben. So zähle ich einige Leute zu meinem engeren Freundeskreis, die in unmittelbarer Bettnähe eine Ein-Tassen-Kaffeemaschine aufgebaut haben. Vorm Schlafengehen präpariert und mit einem Knopfdruck am Morgen angestellt, klingt das durchaus nach einer ausgefuchsten Idee.

3. Ok, wir werden die nächsten Monate öfter zu Hause verbringen als es in der warmen Jahreszeit der Fall war. Ergo? Die eigenen vier Wände müssen einem neuen Anstrich unterzogen werden, die Speerspitze der Gemütlichkeit muss her. Ich selbst bin in den letzten Wochen schon fleißig damit beschäftigt, meine Wände mit Bildern, Postern und Zeichnungen zu tapezieren, Hauptsache das Ergebnis gefällt. Außerdem werde ich just nach Beendigung dieses Artikels in die Stadt stürmen, um meine fast Monatsendeseuphorie umgehend bei BOLIA und MAISONS DU MONDE auszuleben. Ich habe beispielsweise beschlossen, nun doch noch recht spät zum Blumenmädchen zu werden. Die Vasenjagd wird damit gleich eröffnet.

4. Dringende Empfehlung, die immer (ich betone: IMMER!) eine gute Lösung ist, wenn Langeweile einsetzt und der Kühlschrank leer ist: Lieblingsserien! Machen instant glücklich und nachhaltig satt, jedenfalls dann, wenn man sich eine herauspickt, die im Idealfall schon ein paar Staffeln auf dem Buckel hat. Meine Empfehlungen an dieser Stelle (die letzteres Kriterium leider nur so lala erfüllen): HANNIBAL, TRUE DETECTIVE und brandaktuell MR. ROBOT!

5. Ich gebe es selbst nur ungern zu, aber tatsächlich tut der gute alte Sport in Sachen Rundum-Wohlbefinden wirklich sein übriges. Gerade das fade Durch-die-Gegend-Rennen an der frischen Luft macht zwar in Aktion so viel Freude wie leer gedrückte Ploppfolie, doch danach (und nicht nur unmittelbar, ja selbst in den Tagen danach) freuen sich Körper und Geist offenbar nachhaltig, dass man sich für beide interessiert.

6. Kürzlich haben wir eine neue Tradition eingeläutet. Sie ist gar nicht so neu, gerät allerdings irgendwie gern in Vergessenheit, sobald man das zwölfte Lebensjahr überschreitet. SHAME ON ALL OF US, Pyjama-Parties sind nämlich sowas von der absolute Renner unter den sozialen Verpflichtungen, dass wir uns von ihnen nun auf gar keinen Fall mehr trennen wollen! Standesgemäß gehören dazu Pizza, möglichst zuckerhaltige Kaltgetränke und ein anständiger Horror-Film. Tipp am Rande, den ich auch in Zukunft besser beherzigen werde: Nach einem solchen Film nicht um 2 Uhr nachts allein nach Hause gehen. Die Stadt ist nicht gefährlicher als sonst, der Angstschweiß behauptet aber ganz klar was anderes!

Der Struggle is real, die Lösung aber auch: Fighting the Winterdepression!

7. Winterzeit ist Mal- und Bastelzeit! Hier kann der ein oder andere kreativ gehandicapte gerne einen Sprung machen, aber im letzten Winter habe ich persönlich gemerkt wieviel Spaß auch ein oller Abend allein zu Hause machen kann, an dem man aber ausgestattet ist mit guter Musik, genügend Papier,  Stiften und was man sonst noch so braucht, um dem eigenen Wahnsinn freien Lauf zu lassen. Eine prima Angelegenheit ist es zum Beispiel Bilder von Tieren abzumalen, ohne auf’s Papier zu schauen. Aber auch für alle, die ein wenig Anleitung zur eigenen Kreativität benötigen, gibt es  inzwischen ja inzwischen feine Sachen, die Zerstörungswut und Unsinnmachen fördern.

8. Nicht wirklich viel Zeit finde ich im Sommer außerdem für meine Kochkünste. Ja, inzwischen lehne ich mich so weit aus dem Fenster, die eigenen Fabrikate doch als Kunst zu bezeichnen. Wer aber in den heißen Tagen des Jahres ständig unterwegs ist und sich immer nur mal schnell an irgendwelchen Ecken das Lebensnotwendigste reinpfeifft, der stellt sich daheim nicht noch ausgedehnt an den Herd. Das möchte ich in Zukunft nun auch mal wieder ändern. Habe mich jedenfalls schon mit der passenden Lektüre eingedeckt und versuche mich dann bald mal an winterlichen Köstlichkeiten.

Wenn ich mir meine irren Tipps so durchlese, bin ich zwar auf der einen Seite noch immer von deren Gültigkeit überzeugt und würde sie auch bis zuletzt verteidigen. Andererseits fällt mir gleichzeitig auf, dass ich hier doch eigentlich im Grunde empfohlen habe, sich Hobbys zuzulegen! Ich möchte behaupten, dass sich diese Empfehlung möglicherweise nicht nur in den Wintermonaten ganz gut machen könnte. Also los meine Lieben, geht in die Welt beschafft euch auf der Stelle ein paar Hobbys!

Der Struggle is real, die Lösung aber auch: Fighting the Winterdepression!