FASHION WEEK BERLIN Review: No Bullshit Zone

Hi, I am Suzie Grime.

Zwei Mal im Jahr findet in Berlin die MERCEDES BENZ FASHION WEEK statt. Und mit ihr die Annahme davon, dass wir Deutschen innerhalb der internationalen Modelandschaft tatsächlich etwas zu melden hätten. Designer wie Bobby Kolade und Thomas Hanisch sind Ausnahmetalente. Unsere Industrie fixiert auf Massenware. Rund 70 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich für Klamotten ausgegeben. Mode hierzulande als Kulturgut zu betrachten, fällt jedoch allgemein schwer – sogar in der Modebranche selbst.

FASHION WEEK BERLIN Review: No Bullshit Zone

Kein Wunder. In einer Welt, in der Micaela Schäfer und Jimi Blue Ochsenknecht Ehrengäste der ersten Reihe sind, ist Mode keine Kunst, sondern die textilgewordene BILD-Zeitung. Die Fashion Week ein saisonaler PR-Zirkus inklusive Trash-Prominenz und inhaltsleerer Möchtegern-Blogger, die vor dem Mercedes-Benz-Zelt auf ihre 15 Minuten Ruhm warten. Selbst Menschen mit ausgeprägtem Ironie-Gen erreichen da schnell ihre Schmerzgrenze. Es bleiben also zwei Möglichkeiten: Entweder man verreist, weit weit weg – so wie Friederike es gemacht hat, oder man versucht es mit einer Light-Version der Modewoche, um das Pensum an konsumiertem Bullshit möglichst niedrig zu halten.

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DJane VENUS X

Am Montag haben die Girls von EVE WITHOUT ADAM zusammen mit NIKE und dem WALD STORE eine Party im Watergate geschmissen. Haupt-Act des Abends war die New Yorker DJane VENUS X, die neben Hood By Air-Designer Shayne Oliver die Mitgründerin der Ghetto Goth-Szene ist. Das Line Up ein Brett, die Party ein guter Start in die Woche. Kein Trash-Publikum, kein Bullshit. Nur gute Musik und kreative Leute, die Mode als Subkultur verstehen. Dass wir auf der Fashion Week Artists aus anderen Ländern, nicht aber aus unserem eigenen feiern, ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass seit dem Mauerfall erst 25 Jahre vergangen sind. In Städten wie New York entwickeln sich künstlerische Szenen schon viel länger – hierzulande findet der kreative und kulturelle Austausch aber leider erst seit kurzer Zeit statt.

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Auch wenn es Berlin vielleicht an Subkultur fehlen mag, so gibt es dennoch einige Dinge, auf die wir stolz sein können: Zum Beispiel unsere Start Up-Szene. Unter dem Motto „Oh darling, let’s be innovators“ präsentierte Mary Sherpe am Dienstag eine Veranstaltung namens #FashionTech.

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Über 20 Vorträge verschiedener Journalisten und Branchen-Profis luden zur Diskussion über die Zukunft der Mode ein. Fokus des Events waren neue Business-Modelle, die die Art, wie wir Mode designen, produzieren, vermarkten und verkaufen, nachhaltig verändern werden. Kein Bullshit, nur kluge Köpfe und ihre modischen Visionen.

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Ein weiteres Highlight war die BRIGHT Messe, auf der sich alles versammelt, das mit der Skate-, Surf- und Streetwear-Branche in Verbindung steht. Von Montag bis Mittwoch stellten hier Kult-Brands wie VANS und FILA ihre neuen Kollektionen vor – drei Etagen vollgepackt mit coolen Klamotten, die tatsächlich „ready to wear“ sind. Wahrscheinlich ist es genau das, was diese Messe so besonders macht: Hier werden keine Trends diktiert, sondern der Zielgruppe das gegeben, worauf sie tatsächlich Bock hat. Und das sind diese Saison vor allem Fischerhüte (hat Freedi auch schon im Sommer zur New York Fashion Week ausprobiert), rare Sneaker und minimalistische Outfits in „all black everything“. Kein Bullshit, nur Mode, wie sie auf der Straße tatsächlich stattfindet.

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Donnerstag fand die Party des INDIE Magazins statt, dessen Redaktion erst vor kurzem wieder nach Berlin gezogen ist. Im echten Leben ist Bonnie Strange zwar keine DJane, für eine 90er Jahre inspirierte Party mit Flyer in Tumblr-Ästhetik hat es aber allemal gereicht. Die Musik ein Mischmasch altbewährter Klassiker, das Publikum lässig und mehr als hübsch anzusehen. Manchmal fühlt sich Berlin dann doch ein bisschen wie New York an. Was ein Glück, kein Bullshit.

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Bonnie Strange in Party Action

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