Es ist die Kombination, die alles neu macht: Musik von OUM SHATT aus Berlin

Es fing alles an mit der großen Vorfreude letzte Woche auf ein Konzert der österreichischen, mittelweile in Berlin ansässigen Band JA, PANIK!, meinem ersten Konzert von ihnen. Es war der Abschlussauftritt ihrer Tour zum neuen Album LIBERTATIA und fand in meines Erachtens einer der besten Konzert-Locations Berlins statt: im LIDO.

Natürlich lässt nach Einlass auch eine Vorband die Spannung weiter steigen und häufig wartet man dann eher ungeduldig auf den Hauptakt. Aber eben nicht immer: Schon die Vorband war der Wahnsinn, so unglaublich schöne Klänge und Beats! Und: Sie kommen aus Berlin! Vielleicht kennen sie einige von euch auch schon von Projekten wie KISSOGRAMM, CONTRIVA und DRIVER und DRUVER. Die Musiker Jonas Poppe, Hannes Lehmann und Chris Imler haben sich zu OUM SHATT zusammengefunden.

Man kann es Indie, Rock ’n’ Roll oder Indie-Rock, doch vor allem hört man eine weitere Dimension heraus, die man nicht gleich eindeutig zuordnen kann. “Ich  war immer auf der Suche nach neune Harmonien, neuen Dingen; manchmal wird einem langweilig mit den immer gleichen alten Popsongs“, sagt der Sänger Jonas Poppe in einem Interview mit der englischsprachigen Tageszeitung THE NATIONAL aus Abu Dhabi.

Auch wenn nicht alle diesen Einfluss wahrnehmen, ihrer Selbstbeschreibung nach ist arabische Musik ihr Startpunkt war und kleinster gemeinsamer Nenner. Dieser arabische Einfluss scheint zudem alles andere als eine vorübergehende Phase zu sein, denn Poppe legte bereits Jahre bevor die Band begann das exotische alte Vinyl in Clubs auf.

Laut Interview hat sein Interesse am orientalischen Sound den Anfang im Rembetiko genommen, einem griechischen Musikstil der städtischen Subkultur der 20er und 30er Jahre. Nach und nach wurde seine Vinylsammlung abwechslungsreicher, bis er bald nur noch türkischen und arabischen Rock ’n’ Roll an einem Abend spielte.

Mit seinem Gitarristen Hannes Lehmann, der wie Poppe als DJ arabische Musik auflegt, und seinem erfahrenen Schlagzeuger Chris Imler, der vor allem auf Reisen nach Bangladesh, Irak und Ägypten seine Leidenschaft für fernöstliche Klänge entdeckte, hat er zwei Geleichgesinnte gefunden.

Natürlich wollen die drei nicht so tun, als seien sie eine arabische Band, vielmehr erweitern sie ihren europäischen Horizont, und dies auf äußerst effiziente, subtile und vor allem tanzbare Art und Weise: Man nehme ausgewählte arabische Klänge – vielleicht auch hier und da ein paar Töne aus alten Western und Electro-Beats – dazu Surf-Gitarrensound, ein trockener Soundteppich des Schlagzeugs und schließlich eine kleine Note Melancholie.

Poppe selbst überzeugt mit Gitarre und einer ausgewogenen Singstimme, die an Ian Curtis von JOY DIVISION erinnert. Und Imler fällt neben den Beats am Schlagzeug vor allem auch durch Stil und Klasse auf: Schlicht, elegant im Hemd, gespickt mit zwei kleinen, aber auffälligen Details: der Schleife um den Kragen und dem schmalen Oberlippenbart. Ja, wo wir haben wir diese Kombi denn zum letzten Mal gesehen? Richtig! Clark Gable in der Rolle des Rhett Butler in „Vom Winde verweht“.

Es ist die Kombination, die alles neu macht: Musik von OUM SHATT aus Berlin

Neben all dem geilen Sound, den die Jungs spielen, sind sie auch noch sehr sympathisch, sei es auf der Bühne oder hinterm Merchandise-Stand. Sie sind auf jeden Fall der Grund, warum ich meine kaputte Nadel am Plattenspieler ersetze. Ich habe mir ihre erste – O-Ton Jonas Poppe – „selbstgebastelte  EP“ vom Konzert mitgebracht.

Und falls ihr auch mal Lust habt euch eine Portion Ohrenschön zu gönnen, dann habt ihr diesen Donnerstag die Gelegenheit dazu, denn OUM SHATT treten um 21 Uhr im ABOUT BLANK auf.

Ach und zum zweiten Teil des Abends mit JA, PANIK! sowie dem Film DMD KIU LIDT von Georg Tiller berichte ich dann in Kürze. Ihr dürft gespannt sein.

Es ist die Kombination, die alles neu macht: Musik von OUM SHATT aus Berlin