INTERVIEW: Die Kunst der bemalten Hände mit Natascha von HENNA AND BEAUTY

Scrolle ich mich durch INSTAGRAM, entdecke ich immer häufiger hübsch bemalte Hände und Unterarme, die stolz in die Smartphone Kamera gehalten werden. Schon oft habe ich mich dann gefragt, wie das wohl bei mir selber aussehen würde. Und ich muss zugeben, dass mir die Vorstellung gefällt. Denn ich finde Tattoos bei vielen Menschen sehr schön und habe sogar hin und wieder schon darüber gegrübelt mich ebenfalls tattoowieren zu lassen. Aber ich schrecke dann doch wieder davor zurück, weil ich mich nicht für immer für ein und dasselbe Motiv entscheiden kann. Vielleicht würde ich es irgendwann bereuen und dann habe ich den Salat. Und für alle Unentschlossenen wie mich, gibt es eine tolle Alternative: Tattoos aus dem Naturfarbstoff Henna.

Schon die alten Ägypter schätzten Henna als Pflanzenfarbstoff, mit dem sie Haare, Nägel und Finger färbten. Henna ist ein rotgelber Farbstoff, der aus den Blättern des Hennastrauches gewonnen wird. Die Blätter werden getrocknet und dann zerrieben. Wie die alten Ägypter wird Henna auch heute noch im Kosmetik Bereich eingesetzt. Auch in Indien gehört die Mehndi-Malerei zur Tradition. Zu besonderen Anlässen, wie einer Hochzeit werden die Hände mit kunstvoll symbolischen Ornamenten verziert. Wenn das nicht Lust zum Nachmachen weckt, weiß ich auch nicht und so habe ich mich um so mehr gefreut, als mich vergangene Woche die liebe Natascha von HENNA AND BEAUTY aus Offenburg zuhause besucht hat, um mir mein erstes Henna Tattoo zu zaubern. Da habe ich doch sofort mal die Gelegenheit genutzt und ihr ein paar Fragen gestellt!

INTERVIEW: Die Kunst der bemalten Hände mit Natascha von HENNA AND BEAUTY

Väl: „Was ist Henna eigentlich?“

Natascha: „Henna ist eine Pflanze, genannt Lawsonia Inermis. Diese wächst in Asien, von Indien bis nach Saudi Arabien, und in Afrika, von Ägypten bis Marokko. Die Blätter der Pflanze werden getrocknet, gemahlen und dann zu einer Paste gemischt. Die Paste zieht in die Haut ein und färbt die ersten Hautschichten, welche nach einer gewissen Zeit erneuert werden. Henna ist also kein Tattoo und es färbt auch nicht permanent. Je dicker die Haut ist, desto dunkler kann das Henna werden. Zum Beispiel haben die Innenflächen der Hände sechs tote Hautschichten, darum wird das Henna dort sehr dunkel. Und: Je nach Region hat Henna einen eigenen Namen: In Indien wird es Mehndi oder Mehandi genannt, im arabischen Raum Al Heena ‏الحناء‎ und in der Türkei Kina.

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Henna ist eine der ältesten Formen der Körperkunst und geht bis ins Altertum zurück. In über 60 Ländern ist die Körperbemalung mit Henna Brauchtum. Hauptsächlich verwendet man Henna für Hochzeiten. Zwei Tage vor der Hochzeit werden die Hände und Füße der Braut mit Henna bemalt. In Indien können diese Bemalungen bis zu den Ellbogen reichen. Und natürlich hat jede Region hat ihren eigenen Stil Henna zu malen.

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In Indien füllt das Hochzeits-Henna die ganze Innenfläche der Hand wie ein Handschuh. Sobald eine indische Frau verheiratet ist, darf sie erst den Haushalt machen, wenn ihr Henna komplett verblasst ist. Nice, oder?

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Arabisches Henna ist eher simple und elegant mit floralen Motiven. Und Nordafrikanisches Henna, wie zum Beispiel in Marokko, ist geometrisch mit geraden Linien. Früher hat man darin Symbole versteckt, um sich vor dem „Bösen Blick“ zu schützen.

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Und ihr kennt es vielleicht, mit Henna kann man sich zudem die Haare färben. Henna stärkt und macht es voller. Schon eine kleine Beauty Wunderwaffe!“

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Väl: „Und was verbirgt sich hinter dem Begriff Jagua, den ich in diesem Zusammenhang schon mehrmals gelesen habe?“

Natascha: „Jagua ist ein biologischer Name für die Frucht des Jenipapo Baum. Der Saft dieser Frucht enthält eine sichere und natürliche schwarze Farbe, die die Haut in ähnlicher Weise wie natürliches Henna färbt.“

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Väl: „Du als Expertin kannst mir sicher verraten, ob Henna gefährliche oder schädliche Auswirkungen für mich haben kann? „

Natascha: „Nein, echtes Henna ist nicht schädlicher als andere Kosmetikartikel! In Deutschland herrschen strengste Gesetze zur Herstellung und zum Vertrieb, die alle Verbraucher vor Schaden schützen. Was tatsächlich verboten ist, sind Hennaprodukte, die PPD (Paraphenylendiamin) enthalten, da sie schwere allergische Reaktionen auslösen können. Also keine Sorge.“

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Väl: „Wie wird Henna aufgetragen?“

Natascha: „Henna wird als Paste auf der Haut aufgetragen. Es gibt dafür diverse Hilfsmittel, um besonders grazil und schön sauber zu arbeiten.“

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Väl: „Und verrätst du mir, wo du den pflanzlichen Farbstoff für deine Tattoos kaufst?“

Natascha: „Ich kaufe tatsächlich alles im Internet.“

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Väl: „Wie lange hält mein neues Tattoo nun ungefähr auf der Haut?“

Natascha: „Das hängt von mehreren Faktoren ab: Das wichtigste ist, wie lange die Paste auf der Haut einwirken kann. Minimum sind zwei Stunden. Jedoch erzielt man bessere Ergebnisse bei Zeiträumen von zwei bis zwölf Stunden. Ich empfehle daher das Henna über Nacht einwirken zu lassen!

Außerdem sollten Pflegeprodukte die chemische Inhaltsstoffe, wie Chlor, Salzwasser und Spülmittel enthalten vermieden werden. In der Regel ist der durchschnittliche Zeitraum sieben bis vierzehn Tage bis die Farbe verblasst ist.“

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Väl: „Und was kostet ein Tattoo?“

Natascha: „Je nach Größe 15 bis 30 Euro.“

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Väl: „Jetzt noch mal ein, zwei persönliche Frage, die mir einfach auf der Seele liegen. Was inspiriert dich? Warum machst du Henna Tattoos?“

Natascha: „Meine Liebe zum Zeichnen, diese habe ich schon seit ich denken kann. Die Henna Malerei habe ich letztes Jahr im Urlaub in Marrakesh für mich entdeckt. Wunderschöne Muster zauberte mir eine Frau auf dem Markt mit Henna auf die Hand. Seither ist es um mich geschehen! Und ich habe damit begonnen Henna an mir auszuprobieren. Daraufhin wollten meine Freunde auch ein Tattoo und dessen Freunde dann auch und so nahm alles seinen Lauf.“

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Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch meinen Unterarm von Natascha verzieren zu lassen. Genauso wie beim echten Tattoowierer auch, haben wir vorher gemeinsam überlegt, welches Tattoo am besten zu mir passen würde. Und danach ging’s auch schon los. Nachdem Natascha die Farbe aufgetragen hatte, hieß es erstmal abwarten. Das Tattoo muss ungefähr zwei Stunden einwirken und danach dann unter warmen Wasser gut abgewaschen werden. Ich hab mich total erschrocken als plötzlich das gesamte Kunstwerk wieder verschwunden war. Aber keine Panik. Es kommt nach ungefähr 12 Stunden wieder!!!

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Schon beim gemeinsamen Kaffeeplausch am nächsten Nachmittag, konnte ich gar nicht anders, als meinen Unterarm die ganze Zeit zu betrachten. Bei einem Latte Macchiato und einem leckeren Stückchen Apfelkuchen, genossen Natascha und ich noch die letzten Sonnenstrahlen, die der Herbst uns auf die Gesichter zauberte. Insgeheim hoffte ich noch auf ein bisschen mehr Sonne, um die Handschuhe noch ein wenig länger im Kleiderschrank zu lassen und mein Tattoo auszuführen.

INTERVIEW: Die Kunst der bemalten Hände mit Natascha von HENNA AND BEAUTY

Das Henna hielt ungefähr eine Woche, bevor es dann langsam von meiner Haut verschwand. Ich freue mich schon das nächste Motiv auszuprobieren. Ich finde das es eine tolle Möglichkeit ist, sich auch Gedanken über ein echtes Tattoo zu machen. Denn jetzt weiß ich, wie so eine Bemalung auf meiner Haut aussieht und wie es sich für mich anfühlen würde.

INTERVIEW: Die Kunst der bemalten Hände mit Natascha von HENNA AND BEAUTY

Vielen Dank für das tolle Interview und das wunderschöne Henna liebe Natascha!

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