Dresdner Radkultur mit Herz statt Hetze! #IchbinDresden #WirsindDresden #HerzstattHetze

Dresdner Radkultur mit Herz statt Hetze! #IchbinDresden #WirsindDresden #HerzstattHetze

Seit einem Jahr gibt es nun Pegida und seit einem Jahr kommt man in Deutschland nicht umher auf irgendeine Art und Weise Stellung zu beziehen. Das Leben als Ostdeutscher ist momentan gar nicht so einfach, wenn man null Komma nix mit fremdenfeindlicher Gesinnung am Hut hat, vom Rest der Nation aber gern mit in den braunen Sumpf geworfen wird, der sich seit geraumer Zeit zusammenbraut.

Unter den Hashtags #ichbinDresden und #HerzstattHetze demonstrieren daher viele Menschen nun auf Twitter gegen Pegida und für ein weltoffenes, friedliches Miteinander. Diese Initiative, die ihr auch auf Facebook oder im Netz als Bündnis für ein offenes Dresden findet, ist eine tolle Aktion, die uns alle daran erinnert, dass der Osten nicht per se als apokalyptischer Höllenschlund abgestempelt werden sollte, der seine Bewohner zwangsläufig radikalisiert. Ich würde mal fast behaupten, dass eine solche Denke der Engstirnigkeit, die man den Pegidisten vorwirft, in nichts nachsteht.

Ich Bin Dresden

„Ich behandle alle Menschen“
Prof. Stefan R. Bornstein Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II
‪#‎IchbinDresden‬

Ich bin Dresden SchülerinIch bin DresdenAuch wenn Xenophobie und Fremdenhass in meinem Horizont natürlich nicht im entferntesten vorkommen – ich wurde sehr weltoffen erzogen und der größte Teil meines Lebens spielt sich in akademisch-liberalen Kreisen ab – finde ich es schwer Stellung zu beziehen.

Meine eigene Bewertung des Ganzen ist seit einem Jahr im ständigen Wandel. Ich bin ganz klar so ziemlich gegen alles, was Pegida propagiert (immerhin haben Teile der Bewegung in Sachen Gewaltbereitschaft auch eine beunruhigende Entwicklung hingelegt), aber mein anfängliches hämisches Lachen ist mir mittlerweile im Halse stecken geblieben. Ich fand es witzig die Pegida Anhänger in den Nazi-Topf zu werfen und mich über deren Steinzeitmentalität lustig zu machen.

Doch mein Pragmatismus ließ mich daran sehr bald zweifeln. Wenn die gesamte Nation über diese sich sammelnden „ostdeutschen Rednecks“ herzieht, pusht man die Betreffenden dann nicht noch viel weiter hinein in ihren Hass und ihre Frustration? Fühlen sie sich nicht gerade dann bestätigt in ihrer Behauptung, dass die Sorgen des „kleinen Mannes“ ignoriert werden? Ich dachte: „Okay, Politiker sollten diesen Menschen den Dialog anbieten. Sie sollten der Bewegung klar die Stirn bieten, aber deren Teilnehmer nicht als „Pack“ bezeichnen.“

Ich empfand das als gute Lösung. Doch sie kam mir schnell heuchlerisch vor. Während Politiker sich um den Dialog bemühen müssen, darf ich also weiter von meinem studentischen Elfenbeinturm aus lachen? Problem, Problem. Also was tun? Mir wird echt anders beim Gedanken daran, kuscheligen Schmuse-Modus anzuschalten und ins flirty Tête-à-Tête mit Menschen zu hüpfen, die ganz unverblümt gegen Ausländer wettern oder sich mit solchen Menschen solidarisieren.

Kleinstadtcarrie ich bin Dresden

Auch Bloggerin Kleinstadtcarrie nimmt an der Aktion ich bin Dresden teil

Aber Dialog bedeutet ja noch lange nicht Konsens. Ich habe mir also vorgenommen in diesem Punkt tatsächlich bei mir selbst anzusetzen. Ich lache (fast) niemanden mehr aus (aber nur fast, weil es ja durchaus eiserne Nazis gibt, bei denen es schon an der Fähigkeit zum Dialog scheitert). Ich will nicht dazu beitragen, dass sich harmlose Konservative zu bornierten Faschisten aufwiegeln.

Ich bin Dresden

TUDWeltoffen – Wir unterstützen die Aktion von Bündnis für ein offenes Dresden mit unserem Bekenntnis zur Weltoffenheit, Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit. #IchbinDresden

Ich will argumentieren und Ängste durch Logik nehmen. Das ist natürlich ganz schön leicht gesagt, da ich persönlich ja angenehmer Weise überhaupt gar keine Menschen kenne, die sich auch nur im Entferntesten in rechten Sphären tummeln. Meine ultimativ aufklärerische Gutmenschenseele schwebt demnach weiter relativ unbehelligt über dem Boden der Vernunft und Aufgeschlossenheit.

Ich habe mir allerdings fest vorgenommen, sollte ich mal in eine entsprechende Situation kommen (in der Süddeutschen wurde beispielsweise einmal die Gewissensfrage gestellt: „Was tun mit Facebook-Freunden, die rassistisches Zeug posten? Löschen oder diskutieren?“), dann gehe ich nicht auf die Barrikaden.

Das ist wahrscheinlich total utopisch und verträumt gedacht, vor allem wenn ich bedenke, dass sich mein Gemüt doch bei offensichtlicher Konfrontation mit Ungerechtigkeit und Blödheit recht schnell erhitzt. Nach 20 Minuten gegen Wände reden flippe ich wahrscheinlich total aus. Aber die eigenen Ideale müssen der Realität doch zumindest im Ansatz standhalten können.

"Lieber Gutmensch als Wutbürger" Danilo Schulz #IchbinDresden

„Lieber Gutmensch als Wutbürger“ Danilo Schulz #IchbinDresden

"Die dümmste Weltanschauung ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." (Ulli) #IchbinDresden #HerzstattHetze #NoPegida — hier: OBERÜBER KARGER Kommunikationsagentur GmbH.Dieser Artikel kann ja durchaus schonmal ein Anstoß zum Dialog sein. Ängste per se sind nicht dumm. Reaktionäre Hasstiraden, die aus Ängsten entstehen sind dumm, aber Ängste selbst gehören geäußert und diskutiert.

Wenn Pegida Sorgen bezüglich einer schleichenden „Islamisierung des Abendlandes“ kundtut, dann kann man dafür durchaus Rechtfertigungen finden, sofern man das denn möchte: Salafisten, die vor Flüchtlingsheimen um Mitglieder werben, Imame, die Politikerinnen aufgrund ihres Geschlechts den Handschlag verweigern oder Großschlägereien, die entstehen, weil ein Koran Bekanntschaft mit Toilettenwasser gemacht hat, sind alles Vorkommnisse, die als Fallbeispiele problemlos in rechte Argumentationsweisen eingebaut werden können.

Und sie sollten auch zum Nachdenken anregen, denn Verniedlichung von entsprechenden Vorfällen trägt ja auch wieder ganz schnell zu einer zensorischen Alle-haben-sich-lieb-Attitüde bei.

Max Planck Institute of Molecular Cell Biology and Genetics 16. Oktober · Another statement for open-mindedness & tolerance by Prof. Dr. Marino Zerial, director of the Institute. #IchbinDresden

Another statement for open-mindedness & tolerance by Prof. Dr. Marino Zerial, director of the Max Planck Institute of Molecular Cell Biology and Genetics #IchbinDresden

Die Frage sollte im Anschluss aber dennoch nicht sein wie wir uns bestmöglich vor Fremden jeglicher Nation abschotten, sondern wie sich solch explosive Situationen über die Jahre abmildern können. Und dass es Jahre dauert bis sich ein Denken mit ähnlichem Wertekanon entwickelt, steht ja gar nicht zur Diskussion.

Deutschland muss den Flüchtenden Perspektiven bieten, die attraktiver sind als Salafismus und Märtyrertum, es muss also ein Bildungs- und Integrationssystem aufgezogen werden, welches den Menschen Chancengleichheit verspricht, die aber auch realistisch und für die Bevölkerung tragbar eingehalten werden kann.

Dänemark ist hier ein gutes Beispiel, auch wenn der kleine Staat natürlich ein weitaus kleineres Kontingent an Menschen aufnimmt. Ein tatsächliches Miteinander muss stattfinden, keine Ghettoisierung, die in der Realität ein Nebeneinander verursacht, sodass sich jeder weiterhin schön im eigenen Mief suhlen kann. Antoine de Saint-Exupéry hat nicht nur dem kleinen Prinzen Leben eingehaucht, sondern auch sonst ganz viele kluge Sachen gesagt. Zum Beispiel sowas wie: „Zwinge sie, zusammen einen Turm zu bauen; so wirst du sie in Brüder verwandeln. Willst du jedoch, daß sie sich hassen, so wirf ihnen Korn vor.“ Übersetzung: Gemeinsame Partizipation an einer Gesellschaft nötigt die Menschen zwangsläufig aufeinander einzugehen, auch wenn darauf erst mal keiner Lust hat.

Dirk Birgel, Chefredakteur Dresdner Neueste Nachrichten #IchbinDresden

Dirk Birgel, Chefredakteur Dresdner Neueste Nachrichten #IchbinDresden

Jetzt gleite ich hier allerdings sehr vom realpolitischen Diskurs in ein etwas abstraktes Herumphilosophieren ab. Komme halt nicht raus aus meiner Studentenhaut ne. Ich denke aber, dass dies hier auch keine wirkliche Plattform für eine allumfassende Diskussion des Themas sein kann, sondern einfach schlicht als Anregung zu verstehen ist. Eine Anregung zum Dialog, zum Nachfragen und damit auch zur sachlichen Kritik an anderen und an sich selbst.

Susanne Schneider, Flötistin beim MDR Sinfonieorchester #IchBinDresden

»Musik ist grenzenlos. Musik öffnet Ohren und Herz, schon immer und überall.« sagt Susanne Schneider, Flötistin beim MDR Sinfonieorchester #IchBinDresden

"Unser armes Dresden: Zu viel Pegida - zu wenig human" Seniorin Dr. Leila Greifenhahn-Kell, Senior, alteingesessener Dresdner, Erich Kell #IchbinDresdenDer deutsch-iranische Publizist NAVID KERMANI wurde gerade mit dem Friedenspreis des DEUTSCHEN BUCHHANDELS ausgezeichnet.

Seine Rede in der Frankfurter Paulskirche zeugte dabei nicht nur von einem weltoffenen Religionsverständnis.

Ich finde, was er da sagt, hat gut und gerne das Zeug, zum Credo eines menschenwürdigen Miteinanders schlechthin zu werden.

Er sagt: „Die Liebe zum Eigenen – zur eigenen Kultur wie zum eigenen Land und genauso zur eigenen Person – erweist sich in der Selbstkritik. Schwärmerisch lieben kann man nur den anderen.

Die Selbstliebe hingegen muss, damit sie nicht der Gefahr des Narzissmus, des Selbstlobs, der Selbstgefälligkeit unterliegt, eine hadernde, zweifelnde, stets fragende sein. Wie sehr gilt das für den Islam heute! Wer als Muslim nicht mit ihm hadert, nicht an ihm zweifelt, nicht ihn kritisch befragt, der liebt den Islam nicht.“

»Hirn statt Hetze!« sagt Sebastian Günther, Stellv. des Chefredakteurs Morgenpost Sachsen & MOPO24 #IchbinDresden

»Hirn statt Hetze!« sagt Sebastian Günther, Stellv. des Chefredakteurs Morgenpost Sachsen & MOPO24 #IchbinDresden

»Wir sind Dresdner - für Toleranz und Weltoffenheit.« Dresdner Bürger stehen für #IchbinDresden

»Wir sind Dresdner – für Toleranz und Weltoffenheit.« Dresdner Bürger stehen für #IchbinDresden

Jens Drews, Historiker und Journalist #IchbinDresden

Jens Drews, Historiker und Journalist #IchbinDresden