Unter dem Motto “Cola in allen Hautfarben” will Ali Cola ein Bewusstsein für mehr Toleranz schaffen. Mit einem Augenzwinkern zeigen sie den Konsumenten: Die Cola schmeckt immer gleich, völlig egal, welche Farbe sie hat.

Was ist denn UNSERE Gesellschaft? Wer sind WIR? Was ist DEUTSCH? Fragen, die oft gestellt, aber nur unzureichend beantwortet werden. Und schon wenn man als weltoffener Deutscher, die Frage „Was ist Deutsch?“ stellt, kommt man sich irgendwie seltsam vor. Angst schwingt mit – wir fragen uns bei so vielen Dingen: „War das jetzt noch okay? Darf ich das sagen?“ Sprache scheint so manchem wichtiger geworden zu sein, als Handlungen. Nicht selten habe ich im Politik-Studium erlebt, wie viel im Hörsaal diskutiert und wie wenig in der echten Welt draußen dann tatsächlich getan wurde.

Selbst die offensten Menschen beenden manchmal Sätze mit „also, das ist jetzt auf keinen Fall gegen xy gemeint – du verstehst schon?“ Wir rechtfertigen uns für diese verklemmte Diskussion, in der man seinen Platz nur entweder am linken oder rechten Rand – oder sonst eben schwimmend und zwischen Strömungen umhergeschoben zu finden scheint. Wofür steh‘ ich denn nun?

Das Leben sprengt locker jede Definition. Gerade erst haben wir uns ein Bild gemacht und schon wirft die bunte Vielfalt der Realität es über den sprichwörtlichen Haufen. Damit umzugehen ist für jeden unterschiedlich leicht oder schwer.

Toleranz. So nennen wir die sagenumwobene Eigenschaft für die rückstandslose Heilung von Problemen mit allem, was nicht in unser Weltbild passt. Doch wie das so ist, mit allheilenden Essenzen – sie werden entdeckt, von einigen wenigen in die Welt geflüstert und erst irgendwann nach einer langen Entwicklung mit Auf- und Abphasen zum allgemeinen Normal auserkoren.

Toleranz ist ein Thema, das medial zumeist im Rahmen großer gesellschaftlicher Probleme wie Rassismus und Gewalt angesprochen wird. Und dennoch ist es mehr als eine Schachpartie. Mehr als Weiß gegen Schwarz. Toleranz scheint das fehlende Stück in der Gesellschaft, die unvollständig ausgebildete Eigenschaft im Menschen zu sein. Ihre Unvollständigkeit sorgt für einen Mangel an Verständnis und Akzeptanz gegenüber allem, was von unserem ganz persönlichen Empfinden für richtig und falsch abweicht.

Toleranz ist ein Begriff, der sich schwer in Form und Abgrenzung pressen lässt. Er verschwimmt, wandelt sich und spielt mit Klischees. Er begleitet Dramen und Heldengeschichten und prägt dabei unsere Gesellschaft. //// Fotografie: Ali Cola, Grafik: Freiseindesign

Besonders die Zuwanderung von Menschen, die aus verschiedenen Gründen ihr Leben in ein anderes Land – in unserem Falle Deutschland – verlegen, wird immer wieder von diversen Gruppierungen, politischen Veröffentlichungen und im Internet unter dem Gesichtspunkt der Toleranz diskutiert. Genauer gesagt, unter dem Gesichtspunkt der fehlenden Toleranz.

Wer nicht im Dialog über ein Thema ist – sei es nun mit sich selbst oder anderen – wird wenig an seiner eigenen Sichtweise dazu arbeiten. Warum auch hinterfragen, was als normal in unseren Gehirnen, Herzen und Alltagsabläufen gespeichert ist? Ausgenommen ist hier niemand, denn Toleranz ist mehr, als nur von seinem weißen Mittelstandsthron aus “voll okay” zu finden, dass jemand schwarz, schwul oder behindert ist.

Ob ich diese Begriffe überhaupt in dem Zusammenhang verwenden kann, weiß ich mitunter selbst nicht, denn der Begriff der Toleranz ist zu einem hin- und hergerissenen Konstrukt geworden. Es schwankt irgendwo zwischen “Toleranz ist, wenn ich dich aus rechtlichen Gründen offiziell akzeptiere, aber hinterrücks gegen dich vorgehen will!” und “Toleranz ist, wenn ich alles und jeden akzeptiere, sogar wenn es mir wehtut und ich bis zur Selbstaufgabe darin aufgehe, dass jeder so sein darf, wie er ist.” Manchmal vergisst man, als selbst ernannter toleranter Mensch, für was man genau einsteht und verteidigt alles und jeden blindlings. Auch das ist nicht immer dienlich für ein gutes Zusammenleben. Das wird aber seltsamerweise nur sehr selten in Veröffentlichungen differenziert betrachtet.

Der Kampf für Toleranz kann selbst zum Extrem werden – doch für gewöhnlich ist er der Schlüssel zu einer guten Gemeinschaft. Das Zauberwort heißt Aufmerksamkeit. Licht auf das Problem. Denn nur so kann es gesehen werden und durch die Köpfe gehen.

Nur wer sich bewusst überlegt hat, wofür oder wogegen er eigentlich ist, kann entsprechend auftreten. Solche Überlegungen brauchen Aufmerksamkeitserreger. Sollbruchstellenverursacher für den eigenen Alltagsbrei. Hier setzt Ali Cola an:

Wer eine Cola in heller Hautfarbe in der Hand hält, findet leicht einen Einstieg ins Gesprächsthema. Abseits von TV-Nachrichten, Newsticker und Twitter-Feeds hat Ali Cola einen leckeren Weg gefunden ein Thema zur Diskussion zu stellen, das auch ganz ohne den Satz “Und – wie findest du das so, mit den Flüchtlingen?” auskommt. Der Fakt, dass eine Flasche voller Zuckerwasser tatsächlich statt den Bauch, auch den Kopf füllen kann, zeigt, worum es hier wirklich geht: Das Nachdenken, Sprechen und Handeln zum Thema Toleranz im Alltag.

Egal welche Hautfarbe, Religion oder Sexualität du hast. Toleranz ist immer das, was du draus machst. Dein Schritt auf etwas zu, das dir fremd oder falsch scheint. Dein Wunsch es zu verstehen und kennen zu lernen. Lauf los und informier dich über irgendetwas, das dir unangenehm scheint. Irgendetwas, das du nicht gut kennst. Nicht verstehst. Komisch findest. Lern‘ etwas darüber und lass dich überraschen, was dieses neue Wissen in dir verändern wird. Und dann geh raus damit in die Welt.

Toleranz hat es nicht länger verdient als Wort, hinter geschlossenen Türen und vorgehaltenen Händen oder geschrieben auf Plakaten durch dieses Land zu ziehen. Toleranz muss gelebt werden. Wo du anfängst ist egal, denn das beste an Toleranz ist, dass du sie auch gegenüber dir selbst ausleben darfst.

Fotografie: Ali Cola, Text: Freiseindesign

Die Gedanken sind frei – Kunst kannst du auch zu Hause!

Das Thema Toleranz hat mich inspiriert im Rahmen des Beitrages mit ein paar Klischees zu spielen. Ich habe einfach losgelegt, mit dem was in mir selbst machmal passiert. Mit dem, was mir in Gesprächen begegnet. Ich habe mich gefragt, was aus den Medien einfach bestimmte Bilder in unseren Kopf zaubert. Was uns oft nervt, was wir in Schubladen stecken, was wir uns an Bewertungen erlauben – und warum bei manchen Klischees alles doch oft ein bisschen anders ist, als wir denken. Das Projekt dient nicht dazu, irgendwen zu belehren, zu beleidigen, ein Richtig und Falsch zu ergründen. Es soll Gedanken anregen, vielleicht den einen oder anderen zum Lachen bringen und einfach die Bilder und Geschichten aus meinem Kopf in eine sichtbare Ebene transportieren.

Der Schläferali hat in erster Linie Interessen, die mit denen eines Studenten vergleichbar sind. Mal mehr schlafen, mal weniger und dabei auf jeden Fall nicht überanstrengen. Laut Boulevardpresse wartet der Schläferali ständig auf seine Aktivierung. Und wenn die kommt, dann muss er los und zwar sofort! Manchmal wird’s dann auch echt gefährlich. Zum Beispiel, wenn der Wunsch liegen zu bleiben dem Drang auf die Toilette zu gehen in Konflikt geraten ist und es plötzlich drängt. Dann wird der Schläferali aktiv, springt auf und rennt manchmal sogar. Bis er sich wieder hinlegt und wartet. Auf die nächste Aktivierung.

Der Schreibtischali ist ein ruhiger Zeitgenosse an dem sich eigentlich nur seine eigene Familie stört und das auch vornehmlich wegen seiner häufigen Abwesenheit beim Abendbrotessen. Nicht selten verlässt er erst im Dunklen das Büro und erschreckt sich dabei regelmäßig vor seinem Kollegen Dunkelali, den er meistens nur wegen seines weißen Grinsens im düsteren Flur bemerkt. “Hali-Hallo!” heißt es dann, bevor beide in den Feierabend gehen und sich zu Hause auf ihre Familien freuen.

Der Alimentenzahli hat es nicht einfach. Auf Spaß folgte Frust; hübsch geschmückt mit kleinen Näschen und glänzenden Augen. Süß eigentlich, wenn sie nicht so teuer wären die kleinen Alis. Deswegen muss der Alimentenzahli ran: Erziehung auf die finanzielle Art. Ob er nicht einfach mit den Kids die Zigaretten und das Fernsehprogramm teilen kann, statt extra zu zahlen, fragt ihn einer auf der Straße mit miesem Grinsen. Alimentenzahli überlegt, ob es sich lohnt dem zu sagen, dass er gar nicht raucht und man Netflix inzwischen auf dem Handy vorladen und es überall schauen kann, auch wenn man keinen eigenen Fernseher hat. Aber das will ja auch wieder keiner hören. Also lässt er ihn stehen, den fiesen Frager und geht zur Arbeit. Für die Kids – und sich selbst.

Karnevali und Kifferali kommen meistens recht friedlich miteinander aus. Manchmal ist Kifferali von seinem Kumpel allerdings auch ziemlich gestresst, denn der versteht nicht immer, dass es oft notwendig ist, die Dinge mit sehr, sehr viel Entspannung anzugehen. Sofern Karnevali dem Kifferali dann aber nach der Feier etwas zu Essen mitbringt, ist alles wieder im Reinen. Na dann – Helau und Aliaaf!

Der Öko-Ali geht heute begeistert in den Tag! Angstfrei sprintet er über die vielbefahrene Straße zur U-Bahn, wissend, dass sein Schutzamulett schon dafür sorgt die Autos ausweichen zu lassen. Er gerät auf Arbeit in einen Konflikt und zieht sich dann zurück um zu spüren, was das mit ihm macht. Als er wiederkommt, hat der Kollege die Aufgabe bereits erledigt – ein Zeichen vom Universum, dass diese Arbeit gar nicht für ihn selbst bestimmt war! Wütend verlässt der Kollege die Arbeit – auf zum Flughafen, denn seine Großmutter wird 95. In Gedanken liegen gelassen steht unter dem Tisch das Geschenk für die Oma. Öko-Ali nimmt es an sich, googled, fragt und sprintet, bis er am Flughafen den Kollegen erreicht und ihm das Geschenk gibt. Der Kollege bedankt sich und bedenkt sich – und stellt wohl das erste Mal fest, dass er und der Öko-Ali einfach nur verschieden sind, statt verschieden gut.

Klischees formen sich in unseren Köpfen. Sie versteifen sich häufig für eine Weile, werden weiter gesponnen, ausgeschmückt, abgeändert oder über den Haufen geworfen. Sie belustigen oder erstaunen. Oft bemerken wir sie erst, wenn wir mit der Nase darauf gestoßen werden. Klischees sind für jeden da – und in jedem da. Früher kannte man sie als Stigma, ging ins Extrem. Ächtung, Verdammnis. Doch ist was wir tun heute so anders? Macht es einen Unterschied, wen ich verurteile? Und warum? Und dann, manchmal, denke ich ganz laut, dass Toleranz ein Begriff ist, den wir selbst aus seinem Klischee herausholen müssen, damit er wieder leisten kann, was von ihm erwartet wird.

Bis dann – euer Bloggerali  :lol: